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Flirren & Rauschen

“Into Darkness” – der Name ist Programm

Eine schwarze Frau im roten Kleid sitzt vor einer Computerkonsole
Uhura looking at things – Promotionbild für Star Trek Into Darkness

[Anmerkung zum Inhalt: Spoiler!]
Bis zum 10. Film (Nemesis, oh myyy) galt im Star Trek Universum die Annahme, die Filme mit den gerade Nummern seien „gut“. Auch der Erste im Reboot des Franchise durch J.J. Abrams brach die Regel: ein solider Actionfilm, der allerdings nicht mehr allzu viel mit Star Trek zu tun hat. Into Darkness geht diesen Weg konsequent weiter. Doch es ist nicht alles schlecht. Das Design der Enterprise, besonders Maschinenräume und Shuttlehangars führen das in der Serie Enterprise begonnene Redesign weiter, das sich vielleicht mit Retro-Futurismus beschreiben lässt. Zoë Saldaña’s Uhura hat endlich einmal in einem Kinofilm wirklich einen eigenen Beitrag. Karl Urban als Pille ist wieder wunderbar, wenn auch nur selten zu sehen.

Auch Benedict Cumberbatch spielt großartig. Dass damit allerdings Khan Noonien Singh, der genetisch verbesserte Übermensch, „weißgewaschen“ wird, ist gleich in mehrfacher Hinsicht ein Statement. So scheint man sich der Auswirkungen des Weißwaschens nicht bewußt zu sein und ignoriert, wie revolutionär der gewollte, erkämpfte Einsatz nicht-weißer Schauspieler_innen in TOS war. Schließlich ist Khan nun nicht nur ein weißer Mann als Ergebnis genetischer Verbesserungsprozesse, er ist auch der einzige im Film gezeigte Übermensch. Und Paramount hat mit einer konsequenten Werbestrategie Kritik im Vorfeld quasi unmöglich gemacht. Dass die Problematik nach The Last Airbender nicht klar war, ist unwahrscheinlich.

So schön der Retro-Futurismus bei der Technik-Gestaltung ist – die grauen Uniformen mit ihren neuen Mützchen deuten mehr eine militärische Vision der Sternenflotte an, als Admiral Marcus dazu im ganzen Film in der Lage ist. Ansonsten scheint die Mode auf der Erde eine merkwürdige Mischung aus zwanziger Chique (hallo Fringe, Staffel 5) und Neunzigern (die Sonnenbrillen!) zu sein. Über die damit auch verbundenen sexistischen Darstellungen hat Lucie bei Kleiner Drei geschrieben. Mich nervte darüberhinaus noch der Lichtbalken über dem Gesicht von Dr. Carol Marcus, als sie mit ihrem Vater spricht. Wie Felicia Day bemängelt ist bei den Sternenflotten-Meetings allenfalls eine Quotenfrau dabei.

Unbefriedigend sind auch die Einlagen der Klingonen und dem Spock der alten Zeitlinie. Ist Reboot-Spock wirklich auf seine Hilfe angewiesen um auf die Idee zu kommen, Waffen als solche zu verwenden? Auch die Kurzeinlage auf Qo’noS wirkt in den Plot hastig hineingeschrieben, um Uhuras Sprachkenntnisse und das Redesign der Klingon_innen demonstrieren zu können. Und kommt das nur mir so vor, oder dauert die Reise von der Erde nach „Kronos“ nur gefühlte Minuten?

Nach dem moralisch fragwürdigen Ende des ersten Films, wird das Thema Moral und Ethik nun breiter diskutiert, leider sehr flach. Dafür endet die zweite Ausgabe wieder näher an der Originalausgabe. Alles in allem ist Into Darkness ein unterhaltsamer Film mit überzeugenden Schauspieler_innen. Mit der Star Trek Vision einer diversen Welt, gar eines Universums auf dem Weg zum Frieden, hat er allerdings nicht mehr viel zu tun. Aber vielleicht passt das auch gar nicht mehr in unsere Zeit.

11 Antworten auf „“Into Darkness” – der Name ist Programm“

Es ist schon erschreckend, dass ein Reboot einer Serie aus den 1960ern in vielen Teilen ärger/weniger fortschrittlicher ist als das Original. Dabei scheinen die Macher_innen gezielt darauf geachtet zu haben, viele verschiedene Spezies zu zeigen. (Die Crew der Enterprise wirkte auf mich „diverser“ als in der alten Serie) :-/

Ja, die Diversität ist mir auch aufgefallen. Allerdings wurde, glaub ich, keine der „Nebenpersonen“ mit Namen angesprochen – bis auf Hendorff. Da muss ich den Film aber noch einmal genauer anschauen, war nur eine zufällige Beobachtung.

Argh… bitte bitte bitte Spoilerwarnungen. Bitte bitte bitte… Ist bestimmt ein toller Artikel und ich bin wohl auch selbst Schuld, wenn ich einen Artikel anfange zu lesen, zu dem ich den Film nicht gesehen habe. Aber trotzdem, ich spreche mich hiermit für Spoilerwarnungen aus, um auch Deppen wie mich nochmal drauf hinzuweisen.

Vermutlich. Hab den Film mittlerweile endlich gesehen und jetzt auch den Artikel gelesen. Sorry nochmal für den Ausbruch.

Zu den Fragen, die Helga im vorletzten Absatz aufmacht ist meine These ja Reminiszenz an die zwei besten Star Trek Filme bisher. Wrath of Kahn ist klar. Der Kriegshungrige Marcus und die Klingonen stehen dann für The Undiscovered Country. Dazu passt dann auch die Uhura-Szene, in der sie eine deutlich bessere Figur macht, als im Original. Über die Originalszene hatte sich damals Nichelle Nichols auch beschwert, meine ich, mit der (berechtigten) Frage, warum denn wohl die beste Kommunikationsoffizierin der Sternenflotte die Sprache des Erzfeindes nicht fließend spricht. Auch die Szene mit Bones und Dr. Marcus und den Torpedos passt dann. Da muss ich aber zugeben, dass ich die Originalszene mit Spock und Bones besser finde.

Ich habe den Film auch gesehen. Unterhaltsam ist er auf jeden Fall, aber auch sonst schließe ich mich eurer Review hier an, gerade was die sexistischen Darstellungen angeht. Ich habe dazu auch ein kleines „Fanart“ gemalt: *klick*

Über die Szene (und den weiteren Uniform-Kontext) hat Lucie bei Kleiner Drei geschrieben, siehe auch Link im Text.

Der ganze Ausflug nach Kronos ist eine Katastrophe. Der Planet liegt nicht im Zentrum des Reiches, sondern ja schon recht nah an der Grenze zur Föderation, aber das erklärt auch nicht, warum man da „20 Minuten entfernt“ rumhängen kann und niemand bemerkt das Förderationsraumschiff ohne Tarnvorrichtung. m(

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