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Google Glass Project – Technik­begei­ster­ung vs. Datenschutz

Dieser Artikel ist Teil 27 von 48 in der Serie Community Monday

Am ersten Montag im Monat werfen wir ein Thema in die Runde, ob aktuell oder zeitlos, über das wir uns gern mit euch austauschen wollen. Rege Beteiligung mehr als erwünscht!

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Bei Netzpolitik gab es gestern einen sehr interessanten Artikel von Lorenz Matzat zu dem Google Glass Project und möglichen Datenschutzprobleme, die bei einer breiten Nutzung solcher „wearable Computer“ auftreten können. Zu dem Datenberg, der bei der Nutzung von dem_der Nutzer_in selbst gespeichert wird,

jeder Blick von ihnen inklusive Ton könnte mit dem Bildmaterial, Ortsangabe, Uhrzeit und Datum auf den Servern von Google landen. Dort de facto für immer lagern, ohne das man weiß, dass irgendwer einen gefilmt oder Gespräche eingefangen hat. In den Rechenzentren bei Google werden die Daten dann direkt oder später per Sprach- und Gesichtserkennung ausgewertet. Und mit Google+ Profilen etc. abgeglichen. Oder bei Bedarf dann auch von Sicherheitsbehörden verwertet, wenn die sich Zugriff darauf verschaffen können.

kommen nämlich auch Daten – Bilder, Videos, Tonaufzeichnungen – von anderen, den_die Nutzer_in umgebenden, Personen hinzu. Weswegen sich nicht nur für begeisterte Nutzer_innen neuer Technik die Frage stellt, wie gehe ich mit dem fortschreitenden Kontrollverlust über die Daten zu meiner Person um. Wie reagiere ich, wenn ich im Bus, auf der Straße im Cafe von Leuten umgeben bin, die potentiell jeden meiner Schritte aufzeichnen. Mich per Gesichtserkennung möglicherweise auch identifizieren können. Der Wunsch sich dagegen zu wehren kommt mir recht schnell und auch Matzat fordert eine schnelle Reaktion auf die Entwicklung:

Es ist klar: Wir brauchen schnell Regeln, die das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, das Recht am eigenen Bild auch gegen Technologien wie Google Glass verteidigt. Signallampen, die zeigen, dass die Kamera von Glass gerade filmt oder fotografiert, dürften nicht reichen. Am besten kommt eine Regulierung noch gepaart mit Störsendern oder ähnlichem daher, die Belichtungssensoren von Digitalkameras blockieren und Mikrofone verrauschen. Digitale Selbstverteidigung.

In den Kommentaren bei Netzpolitik wurde leider recht schnell die „Technikfeindlichkeits“-Keule geschwungen. Vielleicht können wir hier in einem anderen Rahmen etwas weitergehend diskutieren? Wie seht ihr das? Welche Bedenken regen sich bei euch? Wecken sie auch den Wunsch nach Selbstverteidigung? Oder staatlicher Regulierung? Oder ist doch alles halb so wild?

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Von Susanne

Susanne ist zur Zeit hauptberuflich Weltenbummlerin und Bloggerin. Zuvor studierte sie Medientechnologie und arbeitet ein Jahr als Systemingenieurin beim öffentlich-rechtlichen Fernsehn. Zum Geek wurde sie vorallem über Computerspiele und die unlängst erwachte Freude am Webprogrammieren. Die Feministin in ihr ist sowohl Ergebnis einer empowernden Familie als auch eine Antwort auf die Erfahrungen mit dem Rest der Welt.

4 Antworten auf „Google Glass Project – Technik­begei­ster­ung vs. Datenschutz“

Einerseits finde ich sowas cool, sein eigenes Leben abzuspeichern und durchsuchbar zu machen. Andererseits ist völlig klar, welcher Missbrauch mit als erstes passieren wird: Frauen in den Ausschnitt schauen oder unter den Rock.

Wenn frau da also Störsender verwenden würde, müssten die permanent an sein, um das Aufzeichnen solcher Übergriffe zu verhindern. Oder z.B. unterscheiden können, wer da gerade vor einer sitzt und ggf. das Gadget dieser Person nicht stören.

Was allerdings auch schwierig wird, wenn eine bekannte Person übergriffig wird. Soll diese dann auch dauerhaft geblockt werden? Werden wir einen Mechanismus entwickeln, Übergriffigkeit anzusprechen oder werden die Betroffenen weiter fast alles erdulden?

Und um den Spieß von digitaler Selbstverteidigung einmal umzudrehen. Was wäre, wenn die Brillen bestimmte Dinge nicht aufzeichnen können, es sei denn, es wird explizit ein OK gegeben?

Um es mal positiv zu sehen: Hier ergeben sich ganz neue Möglichkeiten und Herausforderungen an eine Konsenskultur.

Einerseits finde ich sowas cool, sein eigenes Leben abzuspeichern und durchsuchbar zu machen.

Wenn dann aber Inhalte aus deinem Leben dann auftauchen, die du niemals öffentlich haben wolltest, wusstest, dass sie öffentlich werden, dann wird grauenhaft. Aber weg ist eben weg.

Frauen in den Ausschnitt schauen oder unter den Rock.

Das werden noch harmlose Auswüchse werden.
Problematisch wird’s, wenn diese Brillen nicht erkennbar sind.
Wer traut da noch Brillenträgern? Die könnten ja deine Privatsphäre zum öffentlichen Raum machen.

Wenn frau da also Störsender verwenden würde,

Das impliziert für mich, dass sich die Angegriffenen schützen müssen.
Dominanz der Masse, ohne Schutz der Einzelnen?

Wenn das Persönliche digitalisiert auf fremden Servern landet, missbräuchlich verwendbar wird, dann ist’s zu spät.

Und wir brauchen keinen Überwachungsstaat mehr, das werden all die tollen Leute machen, die heute „Reporter“ für Bild, morgen Spanner für Google & Co. sind.

Das wird die neue Nacktheit. Eine Datenspur werden, ohne Rechte und Möglichkeiten.

mir gruselt ein bisschen vor diesen geräten. es ist dann leider auch verständlich, wenn menschen dann den vorwurf erheben, dass sei technikfeindlich. nicht jede technik ist toll und birgt vielleicht einfach zuviele risiken. Helga hat es schon formuliert, ich sehe das sehr ähnlich. creepy menschen, die mit ihren brillen alles aufzeichnen, sorry, ich finde das gruselig.

natürlich ließe sich der spieß auch umdrehen, indem zum beispiel übergriffiges verhalten auch dokumentiert werden könnte, um es später vielleicht als beweis zu verwenden.

am ende sind es ja auch wieder die nutzer_innen, die auch diese technik mitgestalten (in form von programmen, apps, verwendungsmöglichkeiten), die dann dazu beitragen, dass eine technik toll oder schrecklich wird. ich bin skeptisch, wie es bei diesen gläsern wird.

Cool ist das erst mal. Wie jedes Tek-Spielzeug.

Aber ich habe keinerlei Möglichkeit, zu verhindern, dass irgendmensch mich mit der Brille filmt/standfotografiert und das dann sonstwo hochgeladen wird.
Wenn eine wegen des tollen Web 2.0 dann im Postpriacy-Zustand leben soll, zu einer dauerhaft öffentlichen Person wird, dann ist das für mich nur noch Totalitär. Denn nicht ich bestimme, was ich von mir preisgeben, sondern wildfremde Leute, und dann auch Organisationen.

ich will nicht zu einer verwendbaren Datenmasse werden.

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