No thanks to the Academy

Dass die Filmindustrie, wie viele andere, eine von weißen Männern* dominierte ist, ist keine Neuheit. Wer regelmäßige Filme schaut, kann eine männlich, weiße Dominanz auf der Leinwand schlecht leugnen (außer mensch folgt strikten Bechdel-Test-Gewinner Empfehlungen von Bekannten vielleicht).

Wer sich noch etwas mehr für die Filmbranche interessiert und z.B. auch die Vergabe diverser Filmpreise mitverfolgt, kommt auch nicht an der frustrierenden Feststellung vorbei, dass es hinter der Kamera keines Falls besser ist. Der erste Regie-Oscar an eine Frau (Kathryn Bigelow) wurde gerade einmal vor drei Jahren vergeben. Sie war damit gleichzeitig die vierte Frau* die überhaupt für einen Regie-Oscar nominiert wurde (die erste Nominierung ging 2003 an Sofia Coppola). Wesentlich üblicher sind Nominierungsriegen, in denen keine einzige Frau* auftaucht, wie bei den diesjährigen Oscar-Nominierungen für den besten Film einmal mehr deutlich wurde. Bei allen nominierten Filmen war nicht nur der Hauptdarsteller weiß und männlich, sondern auch der Regisseur und der Drehbuchautor. Etwas weniger monströs war es 2011, aber auch hier zeichnet sich ein traurig weißes Bild. Wenig verwunderlich scheint dies beim Blick auf die nicht gerade vor Diversität strotzende Academy, wie eine Studie der LA Times zeigt. Allein die Academy dafür verantwortlich zu machen, greift allerdings zu kurz.

Laut einer Studie der San Diego State University (Zusammenfassung, PDF), waren 2011 bei den 250 erfolgreichsten Filmen in den USA, nur 18% aller Regiseur_innen, Produzenten, Executive Producer, Drehbuchautor_innen, Kamerafrauen_männer und Editors (Schnitt) Frauen*. Nur 5% der Top 250 Filme waren von einer Regiseurin* und nur 4% wurden von Kamerafrauen fotografiert. Im Vergleich zu der Studie von 1998 ist der Anteil der Regiseurinnen leicht zurück gegangen, der Anteil unter den Executive Producers, den Editors und Kamerafrauen_männern blieb gleich. Nur bei den der Autorinnen und Produzentinnen konnte ein leichter Anstieg verzeichnet werden.

Eine Vermutung wäre natürlich, dass der Grundstein für diese ungleiche Verteilung schon in der Ausbildung zu diesen filmerischen Berufen gelegt wird. Aber weit gefehlt! Der Anteil von Frauen* und Männer* an den Filmhochschulen ist heute etwa gleich verteilt. Anekdoten wie die von Catherine Hardwicke, der Regisseurin des ersten Twilight Films, die nicht für den zweiten Film engagiert wurde, weil die Arbeit mit ihr angeblich „zu kompliziert“ war und die bei ihrem nächsten Film nicht mal ein absolut übliches höheres Gehalt ausshandeln konnte (trotz höherem Filmbudget und dem vorangegangenen Erfolg), deuten eher daraufhin, dass da in Hollywood ein alt eingesessenes Boys-Netzwerk keine Lust auf Teilen hat. Auch andere Geschichten zeigen, dass es für Frauen* in Hollywood ungleich schwerer ist vor allem langfristig erfolgreich zu sein.

Und jetzt? Alles verloren in Hollywood für die Frauen*? In Hollywood vielleicht, aber Hollywood hat seine Vorreiterrolle in Sachen technischen und künstlerischen Innovationen inzwischen eh abgegeben. Die Branche verändert sich zur Zeit massiv. Crowdfunding Plattformen wie Kickstarter werden zunehmend beliebter, auch um größere Filmprojekte auf die Beine zu stellen. Und das Potential wird bereits von Frauen* genutzt. Von den 14 Kickstarter Filmen auf dem diesjährigen Sundance Film Festival waren sieben von Frauen! Wer mag sich da schon noch mit alten, rückständigen und nervenraubenden Strukturen rumplagen?