Girls Who Code / Carey Wagner

Mädchen für MINT begeistern – aber bitte ohne Frauen?

Der US-Fernsehsender CBS hat mit einer Fernsehsendung zum Gender Gap in der Tech-Industrie eine neue Debatte über das Unsichtbarmachen von Frauen ausgelöst: frauengeführte Organisationen, die Mädchen das Programmieren beibringen wurden außen vor gelassen und stattdessen einen Mann interviewt, dessen Initiative insgesamt mehr Kinder erreicht hat.

Reshma Saujani, die Gründerin von Girls Who Code, kritisiert neben der Unsichtbarkeit von Aktivistinnen in der Sendung auch, dass die Lösung für den Gender Gap wieder einmal nur im Kindergarten gesehen wird. Dass Mädchen mit zunehmendem Alter das Interesse am Programmieren und Technik behalten sollen, das Ende der sogenannten „leaky pipeline“, ist seit Jahren der Fokus von Politik und Wirtschaft – demgegenüber machen Frauen in den Branchen auf den „toxic pit“ aufmerksam. Solange die Firmen nicht effektiver gegen Diskriminierung und Belästigung vorgehen, verlassen die äußerst motivierten Mädchen ihren Beruf später deutlich eher als Jungen.

Weitere Kritik kommt von Ayah Bdeir, die mit Little Bits eine Firma für programmierbares Elektronikspielzeug gegründet hat. Sie hatte mit dem Team der Sendung eng zusammengearbeitet, wurde in der finalen Fassung aber nur noch kurz gezeigt. Dafür sei sie dankbar und erwarte trotzdem für die Zukunft mehr. Für den TV-Produzenten sei sie ein austauschbares Gesicht gewesen, dessen Wissen von einem Mann erzählt werden könne. Tatsächlich sind ihre Erfahrungen rund um Geschlechterstereotype, Vorbilder und die Schwierigkeiten, als Frau eine Hardwarefirma zu gründen, der Sendung allerdings verloren gegangen. Dabei ist es nur möglich, mehr Frauen in den MINT-Fächern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu behalten, wenn diese Faktoren mitgedacht und gelöst werden.

Um die beiden Beiträge noch zu ergänzen: Solange die mediale Abbildung von feministische Debatten auf diesem Niveau läuft, gibt es erst recht keinen Raum, weitere Formen von Diskriminierung anzusprechen und aufzulösen.