Was Programmierfähigkeiten mit Aussehen zu tun haben (Tipp: Nichts)

Der Spiegel Online fragt (rhetorisch?) überrascht, ob denn etwa die Nerds ™ im Silicon Valley sexistisch sein könnten. Gelten sie doch sonst als „sonnig und weltoffen“. Ich lächelte da ehrlich gesagt etwas müde und dachte an den Artikel auf Mother Jones, wo anhand weniger Graphiken die Demographie der Gründer_innen aus dem Silicon Valley verdeutlichte und vor allem eins klar machte: Die Mehrheit ist ganz klar weiß-männlich. Sexismus in so einem Umfeld wundert mich nicht wirklich.

Aber worum geht es dieses Mal konkret? Aufhänger ist eine Geschichte, die schon am Sontag auf auf The Daily Dot beschrieben wurde (und ja bis das dann bei den deutschsprachigen Mainstream-Medien ankommt dauert es noch einmal). Die Überschrift lautete „Are these women too pretty to be „real“ engineers?“ (Sind diese Frauen zu hübsch um „richtige“ Ingeneurinnen zu sein?) und Aja Romano beschreibt die bizarre Diskussion zwischen LinkedIn und der Firma Toptal. Toptal hatte Werbung geschalten, dass sie Ingeneur_innen suchen würden. Die Werbung aber wurde schnell wieder entfernt. Der Grund? Die Fotos, mit denen geworben wurde, wurden als nicht realistisch empfunden. Denn wie sollen zwei normschöne Frauen bitte sinnbildlich stehen für Ingeneur_innen? Es stellt sich heraus, dass es sich bei einer der abgebildeten Personen um eine Schauspielerin handelt, bei der anderen tatsächlich aber um die argentinische Programmiererin Florencia Antara.

Dass eine Forderung nach „realstischer“ Darstellung plötzlich bei dieser Art von Werbung kommt, ist natürlich nicht überraschend und hängt eng zusammen mit sexistischen und lookistischen Vorurteilen. Frauen wird allgemein weniger Technikverständnis zugetraut. Falls aber Frauen dieses zugeschrieben wird, dann nur, wenn sie auch andersweitig von einer Norm-Weiblichkeit abweichen. Ansonsten heißt es: Bist du nicht zu hübsch zum Programmieren?

Das ist auf mehreren Ebenen diskriminierend:

  1. Das  (mehr oder weniger normschöne) Aussehen von Frauen wird als Maßstab für ihre Fähigkeiten genutzt.
  2. Es finden Auf- und Abwertungen von Aussehen von Frauen statt, auch in dem ein Entweder-Oder-Szenerio geschaffen wird: ENTWEDER wirst du als hübsch gelesen ODER als technisch versiert.
  3. Damit werden natürlich auch immer Normen re_produziert, die beschränken, was als „schön“ empfunden werden soll und was nicht. Diese Normen sind ganz klar gegendert.

Es gibt Frauen, die können programmieren. Diese Frauen sehen unterschiedlich aus. Kein Aussehen ist besser als das andere und es sollte auch keine Rolle spielen. Das es dies aber offensichtlich tut, ist wiederum leider wenig überraschend.