Facebook ist nicht umsonst, ihr habt schon bezahlt

Gastbloggerin Naekubi hat einmal als Social Media Managerin gearbeitet. Mehr von ihr könnt ihr auf ihrem Blog danger! bananas lesen.

Angesichts des Ausmaßes von Prism, Tempora und anderer Datenskandale wird immer wieder der Ruf nach „informationeller Selbstbestimmung“ laut. Es steht die Forderung im Raum, dass jede_r Nutzer_in selbst entscheiden kann, welche Informationen von ihnen gespeichert werden und im Netz liegen.

Doch das ist gar nicht so einfach: Die wenigsten Menschen sind digital so kompetent, dass sie wissen, wie sie verantwortungsvoll mit ihren Daten umgehen können, denn weder Schule noch Ausbildung oder Studium geben dazu Anleitung. Und es wird eine_r_m nicht einfach gemacht.

Screenshot auf dem steht "Registrieren. Facebook bleibt kostenlos."

Screenshot by Naekubi

Ein praktisches Beispiel ist Facebook: Grundsätzlich können die Nutzer_innen steuern, welche Beiträge andere Menschen zu sehen bekommen. Jede Statusmeldung lässt sich so einstellen, dass nur ein bestimmter Kreis von Menschen, etwa nur die engsten Freund_innen oder alle außer den Arbeitskolleg_innen den Beitrag sehen können. Dazu muss man_frau aber die sogenannte Listenfunktion kennen. Nutzer_innen können Listen erstellen für enge Freund_innen, die Familie oder auch Jobkontakte. Bei Posts aller Art kann eine_r dann bestimmte Listen kategorisch ausschließen. Posts über die letzte wilde Party sehen dann zum Beispiel nur die engsten Freund_innen, aber nicht die Kolleg_innen oder die Eltern.

Screenshot aus dem FB-Menü, auf dem die Option "Geteilt mit: Öffentlich" gezeigt wird

Screenshot by Naekubi

Facebook gibt allerhand Optionen, Informationen vor anderen zu schützen, nur: Als ungeschulte Nutzer_innen ist es fast unmöglich, souverän damit umzugehen. Nach wie vor gibt es Menschen, die alle ihre Posts und Informationen auf „öffentlich“ gestellt haben oder in ihren Posts ihren aktuellen Aufenthaltsort mitteilen. Das machen die wenigsten Menschen freiwillig. Schuld sind häufig zu laxe Defaulteinstellungen von Facebook, die von den Nutzer_innen nie geändert wurden, weil sie zum Beispiel nicht wissen, dass sie es überhaupt können und weil Facebook niemanden explizit darauf hinweist.

Screenshot von Werbungen bei Facebook

Screenshot by Naekubi

Die viel gravierende Sache ist die Ausnutzung persönlicher Daten von Facebook. Das Netzwerk hat mit über eine Milliarde Nutzer_innen einen unglaublich riesigen Pool an Daten, den sie zum Geldverdienen nutzen. Die Daten werden teuer an Werbetreibende verkauft. Sich davor schützen kann eine_r kaum – es spielt keine Rolle, ob die eigenen Daten für alle öffentlich einsehbar sind oder mit den schärfsten Privatsphäreeinstellungen geschützt werden. Solange sie bei Facebook liegen, können sie zur Werbeschaltung herangezogen werden. Geschlecht, Alter, Wohnort, Job, Familienstand sind dabei noch die einfachsten Parameter. Auch Sprache, Aufenthaltsort, angegebene Hobbys und bisher gegebene Likes machen es Werbetreibenden einfach, ihre Zielgruppe auf wenige tausend Personen genau zu bestimmen. Je nach Zielgruppe bekommen Nutzer_innen auf sie abgestimmte Werbung zu sehen. Einige Unternehmen gehen dabei sehr plump vor: Junge Frauen bekommen Schuhe, Klamotten und Diätpillen zu sehen, Singles werden Dating-Seiten angeboten, Frischvermählte erhalten Werbung für Babykleidung.

Aber das System Facebook ist noch perfider. Die eigenen Facebook-Kontakte werden für die Werbung herangezogen – mit den „social ads“. Man_frau bekommt gezielt angezeigt, dass eine Bekannte beispielsweise die Fan-Seite einer Limonade geliket hat. Die Hoffnung der Werbetreibenden und letztlich von Facebook ist, dass Leute, die sich mögen, ähnliche Interessen haben. Also ist die Chance höher, dass sie diese Limonade auch mögen und ein Gefällt-mir vergeben. Diese Dienste lässt sich Facebook teuer bezahlen: Pro erfolgreich generiertem Like können durchaus zwischen 20 Cent und 2 Euro für Facebook herausspringen.

Inzwischen sollte klar sein, dass Facebook nicht umsonst ist. Es ist ein Deal, den sich wenige Nutzer_innen bewusst machen, aber mit ihrer Anmeldung eingegangen sind: Bequemlichkeit gegen Informationen. Die Möglichkeiten, sich weniger transparent zu machen, wären nichts zu liken, nichts zu posten und so wenig Informationen wie möglich einzustellen oder sich gar nicht erst anzumelden. Doch wer_welche tut das schon? Selbst die vorsichtigsten Nutzer_innen werden dann und wann Fans von Seiten oder tun ihre Überzeugungen kund. Das Bisschen an informationeller Selbstbestimmung, das wir haben – die meisten von uns haben sie bereits aufgegeben.