Warum ich einen Blog zum Thema Frauen im Extremsport betreibe.

Stephis Mailadresse findet ihr unter http://www.mizzi.at/contact/ und auf Facebook könnt ihr ihr eine Nachricht über die mizzi Page senden.

Ich hatte als Kind jederzeit die Wahl, mit welchem Spielzeug ich am liebsten spielen möchte. Ich konnte einige Stunden in der Fantasiewelt mit meinen Puppen verbringen, Autorennen mit meinen Spielzeugautos fahren, „Kaufladen“ spielen, im Garten mit den Nachbarskindern auf Bäume klettern oder endlose Runden mit dem Fahrrad drehen und dabei Geschwindigkeitsrekorde brechen (sagt es nicht Mama ;)).

Meine Eltern haben mich in der Hinsicht nie eingeschränkt und ich konnte mich dadurch frei entfalten.

So kam es, dass mir bis zum Anfang meiner Pubertät großteils nicht bewusst war, dass ich als Mädchen an anderen Maßstäben gemessen werden könnte. Ich konnte immer mit den Burschen mithalten und dachte nicht, dass es in sportlicher Hinsicht je Unterschiede geben könnte. Das Internet gab es damals noch nicht, wo man heutzutage instant feedback auf Artikel, Fotos und Videos und die Meinung der gefühlt ganzen Welt serviert bekommt.

Mit 13 begann ich zu snowboarden, mit 21 startete ich nach einer kurzen Skateboard-Phase mit dem BMX fahren.

Mittlerweile weiß ich, dass es zwischen den Geschlechtern durchaus Unterschiede gibt, ich weiß aber immer noch nicht, wieso diese Unterschiede die sportlichen Aktivitäten von Frauen weniger interessant oder weniger wertvoll machen sollten.

Offenbar sehen das aber einige Menschen anders. Als die negativen Kommentare, oft fokussiert auf das Aussehen einer Person anstatt auf die sportliche Leistung und den dahintersteckenden Mut, oder die mangelnde Berichterstattung, für mich noch etwas Neues waren, war ich ziemlich verwundert und enerviert. Mittlerweile kenne ich dieses Lied, das auch im Jahr 2016 immer noch im vielstimmigen Kanon gesungen wird und möchte nicht näher darauf eingehen, was einem, speziell online im Schutz der Anonymität, so alles an Negativität entgegen schwappt.

Ich habe eine Zeit lang versucht, auf negative Kommentare einzugehen und den Poster_innen meine Sichtweise, was solche Kommentare an Schaden bewirken können, zu verdeutlichen. Ich dachte, so könnte ich mithelfen, das Problem schrittweise zu lösen. Ich bin von dieser Vorgehensweise aber abgekommen, denn man reibt sich daran schlussendlich auf. Ein anderer Weg mehr Respekt und Motivation zu schaffen musste her.

Ich hatte und habe keinen großartigen Plan, wie man dieses Ungleichgewicht geraderücken kann. Ich weiß aber, wie man eine Website erstellt, ich kann mich auf Deutsch und auf Englisch gut artikulieren und ich habe mir durch reichlich Recherche ein Netzwerk aufgebaut, aus dem ich mehrmals täglich Informationen über die Aktivitäten von Sportlerinnen bekomme. Mich hat es sehr oft motiviert, wenn ich beispielsweise ein tolles Video einer BMXerin mit super Tricks gesehen habe. Da wollte ich dann sofort auch auf mein BMX springen und loslegen. Ich habe mich dadurch bestätigt und angeleitet gefühlt.

Deswegen habe ich 2006 beschlossen, einen Blog zu starten, mit dem ich Sportlerinnen eine zusätzliche Plattform zur Verbreitung ihrer Videos, Photos, Infos zu Camps, Events, Contests etc bieten möchte.

Zuerst entstand ein kleiner, regionaler Blog auf Deutsch namens Damenrad, der sich größtenteils auf BMX Fahrerinnen in Österreich konzentrierte. Bald erkannte ich aber, dass ich die Szene der BMXerinnen, die über den ganzen Globus verteilt ist, in englischer Sprache besser erreichen kann.

Da beschloss ich, fortan in englischer Sprache unter dem Namen mizzi zu schreiben. Dort wollte ich dann nicht nur über BMX sondern auch über Brettsportarten berichten.

Der Name „mizzi“ leitet sich von der Österreicherin Mitzi Albl ab, die ein Gründungsmitglied des 1893 gegründeten Grazer Damen Bicycle Clubs war. Es war eine Zeit, in der es für Frauen als unschicklich galt, Fahrrad zu fahren. Damit war Mitzi Albl eine der mutigen Pionierinnen des Radfahrens in Europa und hat dadurch auch den Weg für Frauen im Sport generell mitgeebnet.

Die hinter dem Blog stehende Idee ist, dass ich es persönlich wirkungsvoller finde, selbst etwas auf die Beine zu stellen, statt frustriert zu sein und auf Anerkennung von anderen zu hoffen – etwa in Form von mehr Berichterstattung in etablierten Magazinen oder durch das Organisieren von Treffen, Workshops und Contests. Wir haben es nicht notwendig, als Bittstellerinnen an andere heranzutreten, wir haben selbst ausreichend Möglichkeiten und Werkzeuge, um uns etwas aufzubauen. Der Support muss in erster Linie aus uns selbst heraus entstehen, das kann meiner Meinung nach auch für mehr Authentizität und mehr Respekt sorgen, wenn wir nicht darauf warten, dass andere netterweise etwas für uns organisieren.

So denken zum Glück auch viele andere, die Berichte schreiben, Videos teilen, Fotos schießen, Wettbewerbe oder Camps an den Start bringen. Diesen Menschen gebührt mein Dank. Ich hoffe, dass ich mit mizzi auch einen kleinen Beitrag leisten kann, um Mädchen und Frauen mehr Chancen und mehr Motivation zu ermöglichen.

Es ist nicht immer leicht, meinen Blog regelmäßig mit Inhalten zu füllen. Neben meinem Vollzeitjob als Web Developerin und meinen vielen sportlichen Hobbies (über die ich dann auch auf meinem privaten Blog unter http://stephanieposch.wordpress.com/ oder für diverse Print- und Online-Magazine schreibe) bleibt wenig Zeit, um eigenständige Inhalte zu produzieren. Es kostet viel Zeit, einen halbwegs guten Artikel oder ein Interview zu schreiben. Leider habe ich kein Team um mich, das mir mit dem Liefern von Beiträgen zur Seite steht.

Auch war mein ursprünglicher Wunsch, speziell Amateurinnen vor den Vorhang zu holen und so die Basis zu fördern. Das ist leider deutlich schwerer machbar, als schnell mal ein Video einer Profi-Sportlerin zu teilen.

Deswegen gibt es immer wieder Phasen, in denen ich weniger Postings auf mizzi.at und auf der dazugehörigen Facebook Seite veröffentliche.

Ich habe aber nach wie vor den Wunsch, mizzi möglichst lange weiterleben zu lassen und hoffe, dass ein paar Menschen davon profitieren können, in dem sie sehen, was Mädchen und Frauen alles schaffen können. In dem sie motiviert werden, weil sie es für realistisch halten, sowas auch schaffen zu können. In dem sie sich nicht mehr so als Aussenseiter_in fühlen, wenn sie im Skatepark, im Wakepark, im Meer oder am Berg unterwegs sind. In dem sie merken, wir sind hier und wir sind viele.

Ich freue mich im Übrigen immer sehr, wenn mich jemand anschreibt und mir eine Idee für ein Posting vorschlägt – sendet mir doch gern ein Photo eurer Schwester beim skaten, von eurer Freundin beim snowboarden, von eurer Tante beim surfen oder von eurer Cousine beim BMX fahren!

 

http://www.mizzi.at