Saarbrücker Erklärung: Ohne Quote geht es nicht!

Vor etwa einer Woche fand zum 35. Mal das Herbsttreffen der Medienfrauen statt. Jedes Jahr treffen sich dort Frauen* aus allen ARD Rundfunkanstalten, dem ZDF und dem ORF, um sich über den aktuellen Stand in Sachen Geschlechtergleichstellung auszutauschen, sich fortzubilden und die Netzwerkbildung zu befördern. Außerdem wird seit 1980 auch ein Negativpreis für die frauenfeindlichste Sendung (auch ein sehr spannender Superlativ btw) im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die saure Gurke, vergeben.

Vor einem Jahr durfte ich selbst an dieser Veranstaltung teilnehmen, es hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass beim Zusammentreffen so vieler interessierter Frauen* mehr an gemeinsamen Strategien zur Bekämpfung von Geschlechterungleichheiten gearbeitet wird.

Ein bisschen hat sich dieser Wunsch in diesem Jahr erfüllt. Neben der Vergabe der sauren Gurke, die dieses Jahr an die Tagesschau vom 16. Mai für die Berichterstattung über die neue französische Regierung¹ ging, verabschiedeten die Medienfrauen am Ende des diesjährigen Treffens die „Saarbrücker Erklärung“, in der sie  ein 50% Quote auf allen Ebenen sowie in allen Gremien und Räten und eine gezielte Frauen*förderung als Führungsgrundsatz und festen Bestandteil der Personalentwicklung fordern.

Eine 50%-Forderung! Endlich! So logisch diese Forderungen erscheinen mag – was wenn nicht 50% sollte mensch fordern, wenn das Ziel Gleichstellung ist – so selten wird es leider gefordert. 30% – 40% ist hier die üblich Forderung, woher die Zahlen auch immer kommen mögen. Viel wichtiger aber noch, als das endlich mal jemand 50% fordert, ist für mich der zweite Teil: „Gezielte Frauenförderungen als Führungsgrundsatz und festen Bestandteil der Personalentwicklung“. Dass eine Frauenquote allein nicht reicht um Frauen zu fördern, wird spätestens mit der Beförderung der antifeministisch auftretenden Sabine Rückert in die Chef-Redaktion der ZEIT deutlich. Solche Personalentscheidungen sind eher kontraproduktiv. Wenn schon keine Feministinnenquote, dann doch wenigstens feministische, tatsächlich Frauen fördernde Ansätze bei den Personalentscheidung. Diese Forderung finde ich entscheidend!

Bleibt nur noch zu hoffen, dass die Forderungen in den entscheidenden Etagen nicht wieder klanglos verpufft. Die Gleichstellungsbeauftragen in den einzelnen Anstalten haben ihren Einfluss schon unter Beweis gestellt. Zugegeben es gibt ein paar Enttäuschungen, wie ich während meiner eigenen Zeit beim NDR erleben durfte, aber davon sollte sich keine abschrecken lassen. Ich finde es sehr gut und wichtig, dass die Medienfrauen ein sehr konkretes Ziel als gemeinsames Ziel formuliert haben. Ich hoffe sehr, dass sie ihr gut ausgebildetes Netzwerk nun dazu verwenden, dieses Ziel auch zu erreichen.

[1] Begründung zur Vergabe der saueren Gurke an die Tagesschau vom 16. Mai 2012:

Kurz und prägnant informiert uns der Beitrag über die Köpfe im neuen französischen Kabinett. Er verzichtet darauf, die Zuschauerinnen und Zuschauer mit unnötigen Fakten zu belasten: So erspart uns der Autor die Nebensächlichkeit, dass Frauen zum ersten Mal die Hälfte des Kabinetts in Paris ausmachen. Das Publikum der Hauptnachrichtensendung im Ersten bleibt mit dem vertrauten und beruhigenden Gefühl zurück, dass der Nachbar von der angekündigten (Geschlechter-)Revolution offensichtlich verschont geblieben ist.