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Flirren & Rauschen

IFFF: Donna Haraway erzählt Geschichten

Pflanzen, Menschen und andere Tiere – mit diesem Schwerpunkt ist gestern das Internationale Frauen Film Fest (IFFF) gestartet. Eigentlich in Kinos in Dortmund und Köln zu sehen, werden die Filme in diesem Jahr corona-bedingt im Netz gestreamt. Eine Dokumentation, die wirklich genau zum Thema passt, ist Donna Haraway: Story Telling for Earthly Survival. Bereits 2016 erschienen, aber irgendwie an mir vorbei gegangen, widmet sich der Film der Denkerin Donna Haraway, die vielen Feminist_innen durch ihr Cyborg Manifesto bekannt sein dürfte.

Neue Geschichten gesucht

Passenderweise geht es zu Beginn genau um das Thema, das mich zum ursprünglichen Filmstart beschäftigte: Kieferorthopädie und die Frage, wie eigentlich das „richtige“ Gebiss aussieht. Das ist, wie Haraway ausführt, nämlich eine viel weniger geklärte Frage, als eins denken würde. Während ich eine Lösung für meinen hübschen, aber unfunktionalen Biss suchte, erzählte Haraway von ihrer Spurensuche in der Medizingeschichte. Für mich neu, aber nach meinen Erlebnissen wenig überraschend, galten dabei lange die Gesichtszüge alter, griechischer Statuen als Vorbilder – allerdings ohne wissenschaftliche Grundlage.

Nach dieser Einführung hält Haraway quasi weitere „Mini-Vorlesungen“ zu unterschiedlichen Themen rund um Menschen, Tiere und das Geschichtenerzählen: Wie Sprachlosigkeit zu neuen Gedanken und Worten führen kann. Wie unser derzeitiges Leben auf der Erde durch die Klimakrise bedroht ist. Den Möglichkeiten und Dringlichkeiten, aus dem Kapitalismus zu entkommen. Und schließlich der Abkehr von der heterosexuellen Ehe als einzigem Familienmodell, hin zu vielfältigen Lebensentwürfen. Eingerahmt werden die Vorträge von Bildern ihres Hauses und Garten und älteren Aufnahmen von ihr und ihrer Familie aus ihrem Partner, ihrem Ex-Mann und dem Partner des Ex-Mannes.

Besonderen Einfluss auf sich schreibt Haraway dabei den Science-Fiction-Büchern der 70er Jahre zu, genauer gesagt deren feministischen Autorinnen. Dass diese Frauen andere Frauen ernst nahmen, ganz bewußt auf deren Arbeit aufbauten und ihren Namen nannten ist eine Praxis, die sie im Film selbst konsequent umsetzt. So erläutert sie etwa die Thesen des Buches How to Suppress Women’s Writing (Wie man das Schreiben von Frauen unterdrückt) von Joanna Russ und kommt dann zum recht bitteren Schluss, dass viele Denkerinnen dieser Zeit bis heute wieder – aktiv – vergessen wurden. Trotzdem endet der Film mit ihrer Erzählung einer queerfeministisch-biotechnologischen Utopie, die deutlich macht, wie Haraway auch heute die Grenzen des Denkbaren verschiebt und, über ihr Manifest von 1985 hinaus, in aktuellen Diskussionen eine Rolle spielen sollte.

Über das Frauen Film Fest

Neben dem Schwerpunkt zu Pflanzen, Menschen und anderen Tieren The Connection gibt es die Sektionen Begehrt! – Filmlust Queer zu Lebens- und Liebesentwürfe, Panorama über Neustarts und Ortswechsel und Spot on, NRW! mit Werkstattgesprächen über Frauen in der Filmbranche und dem Kölner Dokumentarfilm-Kollektiv Dokomotive sowie ein Online-Angebot für Kinder und Jugendliche. Mehr über die Schwerpunkte gibt es außerdem immer morgens im Morning Briefing zu erfahren.

Die Haraway-Doku und weitere Filme sind noch bis Sonntag, den 20. Juni, online anzusehen. Ein Einzelticket kostet 5,50 Euro, drei Filme gibt es für 12 Euro und für 45 Euro können bis zu 15 Filme angesehen werden. Außerdem gibt es mit dem WeLoveyou Pass ein Soli-Ticket, um das Film Fest zu unterstützen. In Dortmund sind kurzfristig einige Filme auch im Traditionskino Schauburg zu sehen.

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