Girl Cave

Girl Cave

„Girl Cave“ ist eine Coming-of-Age Web-Serie über drei jugendliche Freundinnen aus der Provinz. Die introvertierte Julija, die toughe Caro und das Manga Fangirl Zada beschäftigen sich mit allem, womit man sich eben als Teenager-Mädchen so beschäftigt: Das erste Softeis des Sommers. Magische Cupcakes. Ein kleiner Schildkrötenkapitän. Gewichtszunahme durch Militärnahrung. Alte Rosinenmenschen. Lange Nächte vor der Konsole. Verlorene Brüder, gebrochene Herzen und Freundschaften für die Ewigkeit.

In Folge 1 „Mach das Buch“ steht Juljias gerade verstorbene Mutter im Vordergrund, die sie kaum kannte. Als einzige Hinterlassenschaft bekommt Julija eine Art Tagebuch ihrer Mutter. Aber darin befindet sich statt des erhofften Einblicks in ihr Leben scheinbar nur zusammenhangsloser Kram. Nach anfänglichem Frust beginnt Julija mit Caro und Zada den Aufforderungen der einzelnen Seiten nachzugehen.

Folge 2 beginnt mit Zada, die Fan Fiction schreibt. Dabei raucht ihr Notebook ab. Geld für einen neuen hat sie nicht. Also ziehen sie das Buch von Julijas Buch zu Rate. Die Idee eine Bank zu überfallen liegt nahe, aber die Ideen von Zada und Julija sind eher….nicht so hilfreich. Aber Caro hat die Lösung parat!

Julija, Caro und Zada liegen Kopf an Kopf zu dritt auf dem Bett

Das schöne an der Serie ist, dass die Figuren alle ein bisschen verschroben sind. Das hebt sie ab vom deutschen Einheitsbrei und die bisweilen eckige Performance macht die Sache eher ulkig-sympathisch. Das darf in den kommenden Epiosden gerne noch stärker werden, in Richtung Wes Anderson-Filme.

Die Darstellerinnen Fine Kroke, Yasmin Slama und Maja Lindner machen ihre Sache gut, auch wenn an manchen Stellen noch ein wenig die natürliche Lockerheit fehlt. Stellenweise wirkten die Figuren leider etwas stereotyp, aber das kann sich über die gesamte Staffel ja noch ändern.

Zada, Julija und Caro sitzen am Tisch und diskutieren über das Buch.

Eine Folge dauert etwa eine gute Viertelstunde und ist damit auf der einen Seite länger als viele anderen Webserien aber auf der anderen Seite kürzer als vergleichbare Serien aus dem klassischen TV. In den ersten beiden Folgen ist das auf jeden Fall eine Stärke. Die einzelnen Szenen zeigen nur ausschnitthaft das Leben der Drei und trotzdem verkommen ihre Dialoge nicht zum bloßen One-Line-Schlagabtausch.

Die Serie steckt voller Anspielungen aus dem gesamten Nerdspektrum. Von Overwatch bis Steven Universe ist alles drin. Man merkt, wenn man ein bisschen genauer hinkuckt, dass hier Leute dahinter stecken, die Ahnung vom Geek-Kosmos haben, wahrscheinlich alle selber Nerds sind.

In Sachen Marketing hat sich die Produktionsfirma Memofilm einen interessanten, ebenfalls geekigen Weg ausgedacht. Zusätzlich zu den Folgen gibt es kleine Comics auf der instagram Seite der Serie von wechselnden Zeichner*Innen und kurze Interviews dazu, zum Beispiel von Sarah Burrini. Generell spielt das Thema Comics im Zusammenhang mit der Serie immer wieder eine Rolle. Zadas Kunstlehrerin etwa ist die Künstlerin Mika, die Illustrationen in dem Buch von Julijas Mutter wurden auch extra von Zeichner*Innen angefertigt und als Nerds sind Comics natürlich auch Teil der Freizeitaktivitäten der drei Mädchen.

Die ersten zwei Folgen „Girl Cave“ sind eine erfrischende Herangehensweise an Coming of Age und Mädchenkultur. Wenn ihr auf unterhaltsame Dramedy steht, dann solltet ihr definitiv reinschauen.