Crash Override: Zoë Quinn veröffentlicht Buch über Online Harassment

Spieleentwickler*in1 Zoë Quinn hat ein Buch geschrieben das ich lange auf meiner Wishlist hatte. Vergangene Woche wurde es endlich veröffentlicht und ich hatte direkt Gelegenheit es zu lesen.

Bereits vor über einem Jahr hat sich Lara auf unserem Blog gefragt ob die Quinnspiracy und die damit verbundenen Grausamkeiten des Gamergate Mobs endlich ein Ende haben. Bei Gamergate handelt es sich um eine hauptsächlich über Twitter, 4chan und IRC koordinierte Hass– und Belästigungskampagne, die 2014 durch eine Artikelserie von Zoës Ex gestartet wurde. Neben Zoë sind auch weitere Personen, darunter hauptsächlich Frauen aus der Gamesbranche, teilweise bis heute von den Belästigungen betroffen. Nun hat Zoë endlich die Gelegenheit bekommen die Geschichte zu erzählen.

Zoës Erfahrungen als Kind und Teenager mit Videospielen und dem Internet aufzuwachsen fühlten sich für mich unglaublich vertraut an und somit bin ich sehr in ihre Erzählungen versunken. Ich bin dankbar, dass ich das Buch lesen konnte, denn Zoë thematisiert viele wichtige Aspekte die aufzeigen wodurch Gamergate zu dem werden konnte, was es traurigerweise war und ist. Einige dieser Aspekte sind:

  • Das Crowdsourcing von Belästigung, das die vielen einzelnen Täter*innen aufgrund ihrer Überzeugung oder dem dabei entstehenden Machtgefühl gerne übernehmen. Sie halten sich für die Guten, vernetzen sich und meinen für eine gerechte Sache zu kämpfen.
  • Inhaltsneutrale Algorithmen. Bei diesen geht es einzig um Werte wie die Anzahl von Klicks die der Mob liefert.
  • Schwache oder nicht vorhandene Verhaltensregeln von Onlineplattformen. Hier mangelt es allzu oft spätestens bei der Durchsetzung. Außerdem sind für die Gestaltung der Regeln Menschen verantwortlich, die mit der Lebensrealität von Betroffenen wenig zu tun haben.
  • Die Ausnutzung der Kampagne durch Leute, die mit Hass-Clickbaiting Geld verdienen.
  • Unerfahrene und voreingenommene Strafverfolgung, unkooperative Plattformen und vom Hass profitierende oder gutmeinende Journalist*innen, sowie leider auch Allies die versehentlich Öl ins Feuer gießen.

Für einige der aufgezeigten Probleme bietet das Buch Lösungsansätze die aus dem Erfahrungsschatz von Zoë und anderen Betroffenen stammen. Unter anderem aus der Arbeit von Crash Override, der Anlaufstelle die Zoë für die Betroffenen von Online Harassment gegründet hat.

Die Analyse ist meiner Meinung nach von unglaublichem Wert, da sie nicht nur das Phänomen Gamergate beschreibt, sondern die Muster aufzeigt, wie und warum Hass- und Desinformationskampagnen im Moment unglaublich gut funktionieren. Sie zeigt auch menschliche Aspekte auf: es funktioniert nicht Täter*innen als eine bestimmte Art von Person zu kategorisieren mit der man selbst nichts gemein hat. Gegen Online Harassment zu sein, schützt nicht davor selbst in der ein oder anderen Hinsicht zur Täter*in zu werden.

Ich möchte daher abschließend Zitate festhalten, welche auch für die aktuelle politische Berichterstattung in Deutschland von Relevanz sind:

The problem is that you fundamentally cannot shame someone who is proud of what they are doing.

Übersetzung: Das Problem ist, dass man Leute grundsätzlich nicht für etwas beschämen kann worauf sie stolz sind.

Daher könnten auch einige Journalist*innen derzeit folgendes beherzigen:

If you’re trying to “expose” someone’s horrible behavior, ask yourself if the person whom you’re “exposing” is likely to ever be ashamed of what they’ve done.

Übersetzung: Wenn man versucht das furchtbare Verhalten einer Person „bloßzustellen“, sollte man sich fragen, ob die Person die man „bloßstellen“ möchte, sich für das was sie getan hat überhaupt schämen würde.

Zoë hat mittlerweile zur Arbeit in der Spieleentwicklung zurückgefunden und verdient es von nun an vor allem dafür bekannt zu sein.

Im Wikipedia-Beitrag auf den Zoë als offizielle Selbstbeschreibung verweist wird derzeit als Pronomen „they“ verwendet. Leider ist der zugehörige Tumblr-Post offline.