Zeig mir deinen Browser, ich sag dir, wer du bist

Neben der Wahl des Betriebssystem (Natürlich Linux! Niemals Windows! [Füge hier einen oft gehörten Windowswitz der Wahl ein.]) ist wohl die Wahl des Browsers das nächste große Computer-Politikum. Erst diese Woche schwirrte durch meine Twitter-Timeline der Witz, dass als schreibende Person von Sicherheitslücken im Internet Explorer hörte, sie sich nur wunderte, dass es überhaupt noch den Internet Explorer gibt.

Mit der Wahl des Browsers setzten sich Nutzer_innen gerne von anderen Personen ab. Sie wollen damit zeigen, dass sie bestimmte Sachen wissen, auf bestimmte Dinge Wert legen. Und diese Abgrenzung funktioniert natürlich oftmals auch darüber, dass sich über andere Menschen lustig gemacht wird oder diese mit diskriminierenden Zuschreibungen konfrontiert werden.

Ein bezeichnendes Beispiel hat vor einigen Wochen der Journalist John K. Abimanyi geschrieben. Er hatte gewagt zu twittern, dass nachdem er aus verschiedenen Gründen einen Ersatz für Chrome suchte und beim Internet Explorer 9 in diesem Moment für sich eine gut funktionierende Alternative fand. Der darauf folgende Shitstorm bediente sich allermöglichen *ismen und insbesondere Rassismus. Abimanyi schreibt:

Und hier der Gewinner  [unter den Kommentaren]. Er hat 40 Punkte (oder soll ich „Likes“ sagen) von den LeserInnen des Blogs bekommen: „Der Typ ist in Afrika. Der Mist zählt eh nicht.“ Ja. Ich bin in Afrika geboren, aufgwachsen, arbeite und lebe hier. Und deswegen zählt meine Meinung darüber, welcher Browser für mich passt, nicht? (Übersetzung von mir)

Andere Kommentare diskutierten erst einmal Rechtschreibung (ohne auf die Idee zu kommen, dass Abimanyi wie viele Menschen sehr bewusst bei Twitter alles klein schreibt), witzelten er hätte sicher Bestechung von Microsoft angenommen (denn alle Afrikaner_innen sind natürlich bestechlich) oder mutmaßten, er würde von Chrome gesperrt sein, da er Scam Mails erstelle (Was scheinbar eine witzige Anspielungen auf Scam-Mails „aus Nigeria“ sein sollte. Abimanyi lebt in Uganda.). Er antwortet sarkastisch:

[Die Kommentare] sind tief in den Ansichten verwurzelt, die einige Leute über Afrika und AfrikanerInnen haben. Die Vorstellung umfasst wahrscheinlich arme, hilfsbedürftige Menschen, die die Savanne durchstreifen […], im Gegensatz zu AmerikanerInnen, die wichtigeren Dingen im Leben nachgehen, wie auf dem Mars zu landen und KinobesucherInnen zu erschießen. Eigentlich bin ich überrascht, dass niemand kommentiert hat, dass er/sie sich wunder, dass jemand aus Afrika überhaupt einen Browser kennt. (Übersetzung von mir)

Die ganze Geschichte könnt ihr auf Abimanyis Blog unter dem Titel „That guy is from Africa. That shit doesn’t count“ auf Englisch nachlesen.