Wenn Lesben überleben dürfen und es in die zweite Staffel schaffen: Take my Wife.

Wenn Lesben überleben dürfen und es in die zweite Staffel schaffen: Take my Wife.

Die zweite Staffel von Take my Wife – der Serie in der keine Lesben sterben – gibt’s seit letzter Woche auf iTunes und sie hat alles was mein lesbisches Herz begehrt: Butch on Butch Romantik, lebendige queere Identitäten, Witz und ein bisschen amerikanische underground queer culture.
Es geht um Rhea Butcher und Cameron Esposito, zwei Comedians die einander so daten, wie es sich für zwei Lesben nun mal gehört: Sie leben und arbeiten zusammen, verbringen 24/7 am gleichen Ort, teilen sich ihre Zahnbürsten, Klamotten und Friseurtermine und sind am Hochzeitstag gleichzeitig Partnerin und Trauzeugin. Wir werden eingeführt in die Welt des amerikanischen Comedy, lernen laute Dudes und frustrierte Queers kennen, ärgern uns über die sexistischen Comedians die Karriere machen und lernen die Probleme von Cam & Rhea zu verstehen. An der zweiten Staffel haben fast ausschließlich FLTI*-Personen mitgearbeitet, dementsprechend wenig Platz wird von weißen unsicheren Männern mit Existenzängsten und schnellen Autos eingenommen. 43% der Autor_innen waren außerdem Women of Colour, das Cast bestand zu 83% aus Frauen, zu 33% aus POC und 54% aus Queers. [1] Hallo? Ich meine, wie viele Serien können das von sich behaupten?

Was aber vielleicht noch viel wichtiger ist: Die Serie macht richtig Spaß! Die acht Folgen zeigen ein lesbisches Verhältnis das es sonst in den Medien fast gar nicht gibt: Die Beziehung von Cam & Rhea ist eben nicht sexy, nicht verführerisch und nicht super dramatisch wie wir es aus L-Word, Orange is the new Black und Co kennen – sondern ein ganz normaler Alltag von zwei überforderten Butches, deren Jobs langsam ihr Privatleben übernehmen. Take my Wife ist eine Serie über zwei Frauen, die zusammen sind ohne die Welt retten zu müssen oder in apokalyptische Dating-Dramen involviert zu sein, die dabei nicht draufgehen und die eine sichere, feste Beziehung führen in der Schluss-machen eigentlich keine Option ist. Also eine Vorbild-Beziehung wie sie eigentlich nur Heten kriegen. Trotzdem haben beide einen vollen Charakter, Stärken und Schwächen und eine eigene Storyline, anders als zum Beispiel Lena und Stef von the Fosters. Und in TMW geht es außerdem eigentlich nur um die beiden, die paar weißen Cis-Het-Dudes die vorkommen treiben höchstens hier und da die Handlung weiter.
In Folge 5 lernen wir außerdem aber noch 3 andere Comedians kennen: Zwei gender-non-conforming Queers of Colour und eine trans*weibliche Performerin. Es geht nur um den einen Tag vor einer gemeinsamen Vorstellung bei Rhea & Cam’s Comedy-Show, aber so werden die Geschichten ein Bisschen diverser und wir kriegen zumindest einen kurzen Seitenblick auf die Kämpfe von Performer_innen, die nicht weiß und cis sind. Das einzige was alle drei Tagesabläufe gemeinsam haben ist, dass ihnen auf und hinter der Bühne normalerweise nichts zugetraut wird.

Wenn ich ehrlich bin bin ich nur auf die Serie gestoßen weil ich (natürlich!) auf Gaby Dunn crushe, die Cameron’s etwas wahnsinnige Ex spielt und auch am Drehbuch beteiligt war, und regelmäßig ihr Instagram checke. Sie ist übrigens großartig in ihrer Rolle und außerdem eine der wenigen Femme-Charaktere. (schmacht)
Von Cam & Rhea kannte ich bis vor kurzem nur Youtube-Videos von uralten Gigs und zu langen Interviews. Ich habe dementsprechend zwar viel gelacht aber die beiden relativ schnell wieder vergessen, es gibt schließlich auf Youtube inzwischen doch einige Queers, die Witz haben und lustige Videos hochladen, und ich verbringe eh schon viel zu viel Zeit mit diesen Videos. Aber die beiden haben außerdem einen Podcast in dem sie andere Comics interviewen, ein gemeinsames Comedy-Album (mit dem sie natürlich nur in den USA touren) und auch beide individuelle Alben und Projekte. Cameron hostet zum Beispiel die Show Queery, in der sie mit anderen Queers über „Identität, Persönlichkeit und die sich verändernde Kulturmatrix um Sexualität, Gender und Menschenrechte“ quatscht. Ich glaube meine Bachelorarbeit muss ich erstmal auf Eis legen.

(Wenn ihr iTunes nicht unterstützen wollt oder keine 10$ übrig habt, könnt ihr die Staffel ab dem 1. Mai auch auf Starz streamen falls ihr rausfindet wie das mit einer europäischen IP funktioniert, ich war nicht schlau genug, aber das muss nichts heißen. Da gibt’s auf jeden Fall auch gratis Probemonate und so. Außerdem hat Starz in letzter Zeit relativ viele queere, feministische und anderweitig coole Projekte zu streamen.)