Star Wars: The last Jedi

Star Wars: The last Jedi

Dieser Text enthält Spoiler!

 

 

 

The last Jedi kam letzten Donnerstag in die Kinos und das Warten hat sich gelohnt. Im zweiten Teil der Trilogie sind Frauen auch in den wichtigen Führungspositionen zu finden und dürfen genauso viel Krieg spielen wie ihre männlichen Co-Stars, Reys Herkunft und Familie scheinen am Ende nicht mehr die einzig mögliche Erklärung für ihr Talent zu sein und Star Wars hat endlich eine WoC in einer Hauptrolle, die nicht mal allzu viele Klischees erfüllen muss. Es gab so ein paar Sachen, die mir besonders aufgefallen sind:

Admiral Holdo und Poe:

Poe ist einer von den weißen, impulsiven Dudes, die normalerweise vollkommen unreflektiert viel zu viel Screentime bekommen und am Ende die Helden sind. Danach sah es anfangs auch in diesem Film aus: Poe, Finn und Rose hatten einen Plan der einigermaßen vernünftig klang, während die Befehlshaberin anscheinend gar keinen hatte. Dass sie ihm den Plottwist einfach nicht mitteilen wollte, schon alleine weil er keinerlei Befugnis hatte und ein paar Minuten zuvor von Leia persönlich für seine Impulsivität zur Sau gemacht wurde, und er einfach nicht damit umgehen konnte ist letzten Endes eine Kritik an toxic masculinity und der generellen Skepsis, die Frauen in Führungspositionen entgegenschlägt. Admiral Holdo war es einfach nur Leid, schon wieder einem unerfahreneren Typen alles mitteilen zu müssen, weil er sich für intelligenter und besser informiert hält, obwohl sie die ganze Zeit über den Durchblick hatte. Plus, sie steht total drüber nachdem er den Plan fast zunichte gemacht hätte, während seiner gescheitert ist, obwohl sie es am Anfang klar gemacht hat, dass er nicht der erste Dude ist, der sich ihr in den Weg gestellt hat. Ich hätte gerne mehr von ihr gesehen, dass sie sich für die Bewegung opfern musste, fand ich ein Bisschen überflüssig. Schließlich hatten wir mit Paige schon in der Eröffnungsszene eine Märtyrerin.

Poe hat natürlich außerdem trotzdem eigentlich die sympathischere Rolle und kriegt am Ende die Heldin. (Wir sind uns eh alle einig, dass der Blick von Rey kurz vor Filmende eine Wiederholung der Leia/Han-Geschichte verspricht, oder? (still shipping Kylo&Rey though))

Die Caretaker auf Ach-To:

Okay, es ist total verständlich, warum Luke sich diesen Planeten ausgesucht hat: Er ist wunderschön, von ziemlich geilen Tierwesen bevölkert (wobei die Porgs schon ein Bisschen enttäuschend waren. Uns wurden Nachfolger der Ewoks versprochen und diese neuen Viecher können ja nichtmal was. Tz.) und die Infrastruktur ist für einen Jedi im Ruhestand auch ganz praktisch. Aber die Caretaker bzw. die eigentlichen Bevölkerung von Ach-To werfen ein paar Fragen auf. Sie sind eindeutig feminin gekleidet, haben aber ansonsten eigentlich gar keinen Charakter. Sie sind lediglich da, um einfach mal nebenbei die komplette Carearbeit, die auf dem Planeten anfällt, zu erledigen und keinen Credit dafür zu bekommen. Sie können sich anscheinend nicht mit den Jedi verständigen, halten aber trotzdem die Häuser und Tempel in Ordnung. Es ist unklar, warum sie das tun und was genau in ihren Aufgabenbereich fällt. Putzen sie Luke auch hinterher? Warum fängt er sich selber Fische, wenn diese Kreaturen sich eh um ihn sorgen? Und warum tut er so einsam und alleine, wenn eigentlich ständig jemand für ihn da ist? Hat er jemals versucht, sich mit ihnen zu verständigen?

Vielleicht übersehe ich etwas und fasse das vollkommen falsch auf, aber bisher finde ich die Rolle, die diese (sogar namenlosen?) Wesen einnehmen etwas problematisch. Sie wirken wie die stillen Carearbeiterinnen, dessen Anwesenheit der meditierende weiße Mann nicht einmal wirklich wahrnimmt.

In loving memory of our princess:

Abgesehen davon, dass Carrie Fisher dem Film getragen hat – und das obwohl sie den Großteil der Zeit im Koma lag – und ich keine Ahnung habe, wie der letzte Teil ohne sie funktionieren soll, ist mir durch den Film noch einmal bewusst geworden, wie sehr sie mir in den aktuellen Hollywood-Debatten fehlt. In einer Zeit, in der die Übergriffe von Weinstein, Spacey und Co endlich öffentlich benannt werden und das die Medienlandschaft so sehr einnimmt, dass die Silencebreakerinnen sogar Person des Jahres werden, hätte die, die sich schon in den 80ern über Doppelmoral und Schönheitsideale in der Filmbranche beschwert und relativ offen über den Sexismus, den sie selbst beim Dreh erfahren musste, geredet hat, bestimmt viel zu sagen. Sie hat zwar soweit ich weiß nie direkt von sexualisierter Gewalt gesprochen, aber viel über von dem Arbeitsklima, in dem Frauen sich ständig gegen sexuelle Anspielungen und Kommentare behaupten müssen. Außerdem stand sie offen zu ihrer psychischen Erkrankung und Drogenabhängigkeit.

Ich weiß, sowas gehört eigentlich überhaupt nicht in eine Filmrezension, aber die Widmung am Ende des Films In loving memory of our princess, Carrie Fisher hat mich zum Heulen gebracht und ich weine eigentlich nur bei richtig miesen Teenager-Filmen. Und sie wird in der Fortsetzung wirklich fehlen.

 

Insgesamt waren mir in The last Jedi ein Bisschen zu viele platte Witze und viel zu viel gezoomtes Sich-die-Hände-reichen-und-starren, aber das Positive überwiegt und ich möchte ihn am Liebsten gleich nochmal schauen. Bis dahin: