#neuland und rassistische Metaphern

Angela Merkel stellte heute fest:“Das Internet ist für uns alle Neuland.“ Und schon wurde in diesem Internet Neuland gekichert und der passende Hashtag erfreute sich großer Beliebtheit.

Und die (ironisch vorgetragene) Kritik ist auch berechtigt. Auf der einen Seite gibt es zwar viele Menschen, für die Internet Neuland ist. Dies sollte auch nicht vergessen werden, denn der Zugang zu Internet ist eben nicht gleich verteilt. Doch Angela Merkel ist nicht irgendeine Person, sondern ist Kanzlerin und hat als Politikerin großen Einfluss darauf, welche Regelungen für das Internet getroffen werden. Es scheint da dann doch sehr bedenklich, wenn bei einem offiziellen Anlass so eine Aussage getroffen werden kann. Wie oftmals festgestellt wurde: Der Euro ist neuer als das Internet. Angela Merkel würde sich aber wohl kaum hinstellen und sagen: „Der Euro ist jetzt auch für uns alle Neuland.“ Die Frage schwebt ganz klar im Raum: Wer_welche entscheiden über Strukturen im Internet? Legen rechtliche Grundlagen für die Zukunft? Und hier geht es zur Zeit auch um viele grundlegende Aushandlungen, wie die Debatte um Netzneutralität und Kathrin Ganz‘ Studie zu Netzpolitik zeigen.

Was aber nicht in diese Debatte gehören sollte: rassistische Bilder. Doch genau auch das geschah unter #neuland. Neuland (also das Internet) wurde mit Amerika gleichgesetzt. Einige Internet-User_innen (was ich gesehen habe vor allem weiße Typen) sehen sich als Native Americans, wobei natürlich immer der rassistische Begriff verwendet wird, und vergleichen in das Internet eingreifende Politken mit Jahrhunderten kolonialer Gewalt_Unterdrückung. Mit diesem Vergleich wird bis heute andauernde Gewalt verharmlost und das Erleben von rassistischer Gewalt affirmiert. Mit eigenem, hier oftmals auch besonders privilegiertem, Leid gleichgesetzt. Soll das die Ebene sein auf der Netzpolitiken verhandelt werden? Ist das besser als thematische Ahnungslosigkeit?

Dann doch lieber gelungene sarkastische Bemerkungen: