#ilovefs: Lineage OS

Kampagnen-Banner #ilovefs von der FSFE

#ilovefs ist eine Kampagne der Free Software Foundation Europe. Seit einigen Jahren wird dort der Valentinstag umgenutzt, um Freie Software zu promoten und besonders, um den Communities zu danken, die Freie Software entwickeln, verbreiten, verbessern. Die FSFE ruft zu Beiträgen auf und agiert dann vor allem als Multiplikatorin, die alles, was geschrieben, gezeichnet oder fotografiert wurde, unter dem Kampagnen-Hashtag #ilovefs zu teilen. Dieses Jahr wollen wir uns an dieser Aktion beteiligen.

Wir möchten Euch das Projekt Lineage OS vorstellen. Die Lineage OS-Community stellt alternative Android-Images zur Verfügung, die man sich auf dem Smartphone oder Tablet installieren kann. Wo kommt das denn jetzt schon wieder her? Gibt es das nicht schon?

Bestimmt haben einige von Euch schon von dem Vorgänger-Projekt CyanogenMod gehört. Auch CyanogenMod war ab 2009 zunächt ein Community-Projekt, das aus dem Kontext der Forums XDA Developers kam. Steve Kondik gründete später die Firma Cyanogen Inc., die es immerhin schaffte, dass bestimmte Smartphones mit dem Betriebssystem Cyanogen ausgeliefert wurden. Zum Jahresende 2016 hat das Projekt jedoch den Betrieb eingestellt. Hier kommen all diejenigen Entwickler*innen ins Spiel, die das Projekt unter einem neuen Namen aufrechterhalten: Lineage OS. Lineage bedeutet sowohl wie Abstammung – denn bei Freier Software ist es ja explizit erwünscht, dass das Erarbeitete weitergenutzt und weiterentwickelt wird.

Was spricht dafür, sich ein anderes Android auf dem eigenen Gerät zu installieren?

Ihr kennt das: Das Gerät, das Ihr Euch kauft, kommt mit einem ganzen Kladderadatsch vorinstallierter Apps, die Ihr gar nicht haben wollt, von denen Ihr nicht wisst, was die da tun, und die – gerade auf älteren Smartphones – die begrenzten Ressourcen unnötig belegen. Ein richtiges Backup, mit dem Ihr auch was anfangen könnt, wird Euch nur direkt über den Google-Account auf Googles Servern angeboten. Und wenn die Hardware-Hersteller lieber neue Geräte verkaufen wollen, als die langfristige Nutzung nahezulegen, dann bekommt Ihr auch nur für eine begrenzte Zeit (Sicherheits-)Updates. Dabei ist eine Werbung wie „Alle 2 Jahre ein neues Handy!“ ein Plädoyer gegen Nachhaltigkeit und für oft unvertretbare Arbeitsbedingungen in furchtbaren globalen „Wertschöpfungsketten“.

Ein „Custom ROM“ (wie man die alternativen Betriebssysteme auch nennt) gibt ganz andere Möglichkeiten, die unter anderem eine längerfristige Nutzung der Geräte befördern. Custom ROMs basieren auf dem Android Open Source Project (AOSP), also auf dem Teil des Quellcodes, der unter freien Lizenzen verfügbar ist (wie z.B. der Linux-Kernel). Ein Projekt wie Lineage OS kann natürlich nicht für jedes Smartphone oder Tablet eigene Android-Builds herstellen, weil ja in jedem Gerät andere Hardware verbaut ist. Aber wer das eigene Gerät auf der Liste findet, kann so in etwa folgende Vorteile genießen:

  • Man kann selbst entscheiden, welche Apps zusätzlich zur Grundausstattung installiert sein sollen. Das bedeutet, dass auch die Google-Apps nicht standardmäßig vorinstalliert sind. Wer einen Google-Account einrichten möchte, kann bei Open GApps wählen, was dabei sein soll: Wenn es nur der Play Store sein soll, dann reicht das „pico“-Paket ohne Google Mail, Kalender, Youtube, Now etc.
  • Man bekommt Android-(Sicherheits-)Updates, die die Provider oft nicht mehr ausliefern. Klar, das hat seine Grenzen, weil auch neue Devices unterstützt werden. Alte Geräte bleiben aber i.d.R. drin, wenn sie recht verbreitet sind.
  • Man kann entscheiden, bestimmten Apps Root-Rechte, also volle Administrationsrechte, zu geben. Das kann für Backups sinnvoll sein oder für andere Apps, die Änderungen am zugrunde liegenden Linuxsystem vornehmen sollen.
  • Man bekommt teilweise Features, die in den sonst ausgelieferten Android-Builds nicht eingebaut sind oder viel später kommen. So wurden z.B. schon Funktionen aus CyanogenMod später ins Android Open Source Project übernommen.

Wie ist nun der Stand bei diesem neuen Lineage OS?

„A company pulling their support out of an open source project does not mean it has to die.“ Mit dieser Ansage ist die Lineage OS-Community zu Weihnachten 2016 gestartet. Laut Blog ging es mit einem Aufruf los, Rechenkapazitäten zu spenden. Seit ca. Mitte Januar gibt es jetzt die ersten offiziellen Builds zum Download. Sie basieren auf Android 7.1 (Nougat) und heißen LineageOS 14.1. (Die Zählung der Versionsnummern geht weiter, wo CyanogenMod aufgehört hatte.)

Momentan gibt es ein ziemliches Delta zwischen den aktuell versorgten Geräten und inoffiziellen Listen mit Geräten, die beizeiten unterstützt werden sollen. Wer Lineage OS in eine Suchmaschine schmeißt, bekommt eine verwirrende Anzahl verschiedener Blogs und Foren, in denen inoffizielle Informationen, Gerätelisten und Downloads angeboten werden. Damit würde ich persönlich erstmal Vorsicht walten lassen: Mein eigenes Telefon taucht bisher nur auf den inoffiziellen Listen auf. Es ist also nicht immer klar ersichtlich, wer die Leute sind, die irgendwo ein inoffizielles Lineage OS anbieten. Zumindest kann ich mir die Frage, was ich mir da aufs Gerät hole, mit einem besseren Gefühl beantworten, wenn das Ding vom Download-Server des offiziellen Projektes kommt. Denn klar: Ich vertraue dem ja genau so, wie ich sonst auch den Herstellern von Hard- und Software vertrauen muss.

Foto von einem Smartphone mit Lineage OS Bootscreen

Lineage OS fährt hoch…

Trotzdem habe ich aus Neugierde natürlich schon mal so einen inoffiziellen Build für Euch getestet – auf einem Spiel-Telefon mit kaputtem Display. Im Wiki von Lineage OS ist für jedes Gerät eine Installationsanleitung hinterlegt. Wer schon früher mal ein CyanogenMod installiert hat, wird feststellen, dass der Weg der gleiche ist: Man installiert zuerst ein „Custom Recovery“. Das liegt quasi noch unter dem eigentlichen Betriebssystem und damit kann Installationen, Backups und anderes machen. Als nächstes legt man die .zip-Datei mit dem passenden Lineage OS auf die SD-Karte des Geräts und wählt sie in diesem Custom Recovery zur Installation aus. Dann heißt es, Geduld haben und warten, bis es wieder hochgefahren ist. Lineage OS sieht gut aus, auch wenn ein paar kleine Details noch nicht fertig zu sein scheinen. Und hey – dieses Telefon ist wie neu mit Android 7.1! Es wurde vom Hersteller nämlich nur bis Android 4.4.2 mit Updates versorgt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Daumen hoch! Ich finde es toll, dass die Lineage OS-Community sich daran gesetzt hat, das im alten Projekt Erreichte weiterzuentwickeln! Das ist so eine sinnvolle Aktion für einen nachhaltigeren Umgang mit unseren elektronischen Freund*innen! Danke dafür und alles Gute für den Neustart!!!
Und ja: Es wäre natürlich noch toller, wenn die Geräte gleich so ausgeliefert würden. Dann gäbe es nicht diese „Nerd-Hürde“. Dann könnten sicher viele Leute ihre Freizeit mit was anderem verbringen, statt Konzernen hinterherzuentwickeln. Und nicht zuletzt ist es ja auch irgendwie Wahnsinn, jedes einzelne Gerät nochmal neu zu installieren… Aber: Es geht und es wird auch weiterhin gehen!