Gilmore Girls - Ein letztes Mal in Stars Hollow

Gilmore Girls – Ein letztes Mal in Stars Hollow

[Spoiler-Alert]

Ende Oktober vorletzten Jahres hatte ich euch hier meine Gedanken zu den vier Sequel-Folgen von Gilmore Girls versprochen. Die kamen zwar schon vor zwei Monaten raus, aber ich musste sie natürlich mit meiner Mutter zusammen schauen und wir haben es vorher einfach nicht geschafft, gemeinsam in der Nähe eines Netflix-Accounts zu sein. Haben das jetzt aber nachgeholt und ich bin wirklich etwas enttäuscht muss ich sagen.
Wir treffen alle Charaktere 9 Jahre später wieder, sehen, wie sich die beiden Gilmore Girls entwickelt haben und begleiten sie sowie Emily Gilmore (die Großmutter) ein Jahr lang. Die erste Folge lebt daher von Nostalgie-Momenten, spielt schön mit einigen alten und auch ein paar neuen Witzen und führt uns zurück in die Welt der Gilmore Girls.
Das Problem ist, das nichts weiter gegangen ist. Natürlich finden sich neue Running Gags, in Stars Hollow gibt es zum Beispiel jetzt Secret Bars, weil Taylor, der Oberfuzzi des Dorfes jegliche Nachtbars verboten hat und natürlich besitzen die beiden jetzt iPhones, sortieren ihre Magazine nach Kardashians und rufen sich nachts ein uber (Can we talk product placement, by the way?), aber zumindest Lorelai hat sich in den letzten 9 Jahren nicht verändert. Sie lebt noch in ihrem Haus mit Luke, führt ihr Hotel, das sich ebenfalls kein Bisschen verändert hat und wartet quasi nur auf die Besuche ihrer Tochter. Etwas enttäuschend, aber okay.
Doch auch Rory’s Leben ist nicht sonderlich spannend. Sie jettet zwischen London und NYC hin und her, hat was den Job angeht mehrere Eisen im Feuer und führt nebenbei eine Affaire mit dem verlobten Logan, bei dem sie in London regelmäßig vorbeischaut. Ach ja, da ist auch noch ein fester Freund, Paul, der aber sogar von ihr ständig vergessen wird. Eine neue Figur, die zwar so überhaupt nicht zu Rory passt, aber als schöner Gag durch alle vier Folgen funktioniert. Die Beziehung zu Logan hat viel Potenzial, schließlich könnten die Gilmore Girls sich endlich als eine der ersten Hollywood-Serien tatsächlich für Polyamorie aussprechen, aber am Ende machen die beiden natürlich Schluss, weil er heiratet und sie das nicht länger will. Trotzdem zeigen sie, dass Eifersucht nicht notwendigerweise eine Rolle in Beziehungen spielen muss und das mehrere gleichzeigie Partner_innen (zumindest vorrübergehend) nichts prinzipiell schlechtes sind. Besonders weil Hochzeit und Ehe sowohl für Lorelai als auch für Emily so eine bedeutende Rolle spielen.
Aber Rory ist wehleidig, geht unvorbereitet zu Vorstellungsgesprächen und gibt uns das Gefühl, dass ihr die Welt gefälligst zu Füßen zu liegen hat. Sie lässt ihre geliebte Stars Hollow Gazette fallen, als sie eine neue Karriereidee findet und wirkt insgesamt oft arrogant und unsicher. Sie war zwar schon mit 16 nicht mein Vorbild, aber die neue Rory ist einfach ein wenig leblos.
Es bleibt unklar, warum sich die Macher_innen für vier 90-minütige Folgen entschieden haben, denn abgesehen von den großen Zeitsprüngen dazwischen passiert anscheinend auch nicht genug in Stars Hollow, um 90 Minuten zu füllen. Die Folgen sind langatmig, die Stadtversammlungen, die in den sieben Staffeln davor immer kurz, knapp und lustig waren und den Charme der Serie mit ausgemacht haben, ziehen sich hier in unendliche Längen, in der dritten Folge sehen wir sogar ein komplettes Musical über das Dorf und das wäre nun wirklich nicht nötig gewesen. Auch die Nebenfiguren, deren eigene Geschichten früher so wichtig waren, sind jetzt höchstens Stichwortgeber_innen und leben nicht mehr für sich selbst. Viele Exen, Freund_innen und Dorfbewohner_innen treten kurz auf um gesehen zu werden und verschwinden sofort wieder, nur Lorelai und Rory dürfen eine wirkliche Story haben.
Und dann sind da die beiden Schwimmbadszenen in der dritten Folge. Christopher Rosa schreibt hier eine ganz gute Zusammenfassung über das darin enthaltene Fatshaming, das die Szenen, die übrigens wenig mit dem Rest der Serie zu tun haben und überhaupt vollkommen überflüssig waren, geprägt hat. Die beiden sitzen an einem lauten, hässlichen Pool, lassen sich von zwei Jungs Sonnenschirme halten (Häää?!) und kommentieren die Körper ihrer Nachbarn. Es ist nicht witzig, trägt nicht zur Geschichte bei und ich wollte eigentlich nur vorspulen.
Ich weiß nicht genau, was da passiert ist, es lässt sich auf jeden Fall sagen, dass die erste sowie die letzte Folge, die von Amy Sherman-Palladino, der ursprünglichen Hauptautorin, selbst geschrieben und inszeniert wurden, um einiges witziger, charmanter und spannender sind als die beiden mittleren, die von ihrem Mann und Partner Daniel Palladino kommen. Am Ende schaffen sie es noch, den Kreis zu schließen, indem Rory ihrer Mutter erzählt, dass sie schwanger ist und klar wird, dass sie ihr Kind ebenfalls ohne Partner großziehen wird und auch der Tod den Großvaters und die Entwicklung der Großmutter ist ganz schön gezeigt. Der Rezeptionist Michel wird endlich offiziell geoutet und adoptiert mit seinem Partner ein Kind und Rorys beste Freundin Paris hat sich genau so entwickelt, wie wir es uns alle vorgestellt haben. Insgesamt kommt ein wenig Stars Hollow Feeling auf, aber in bin trotzdem enttäuscht und brauche persönlich nicht noch eine Fortsetzung.