Frauen und Netzpolitik – neue Debatte, alte Argumente

Vor wenigen Tagen hat die Redaktion von netzpolitik.org gefragt, wie ihr Blog für Frauen interessanter werden könnte – abseits von Stereotypen, sondern als potentielle Leserinnenschaft. In der Sammelmappe sind einige Ideen und interessante Kommentare zusammen gekommen, ich habe ein paar Gedanken beigesteuert und das Blog hat ein erstes Resümee gezogen. Im ganzen Prozess lassen sich, wieder einmal, bestimmte Phänomene von „Genderdebatten“ beobachten.

Zunächst das Konstruktive, die Ideen:

  • Autorinnen als (weibliche) Vorbilder sichtbar machen
  • Inhaltliche Einstiegshürden abbauen – zum einen durch Alltagsbezug und zum anderen Glossare o.ä.
  • Offene Debatten führen, statt Grundsatzpositionen vorzugeben
  • An der Kommentarkultur arbeiten
  • Handlungsvorschläge anbieten
  • In der Blogosphäre höhere Vernetzung anstreben

Damit ist ein wichtiger Schritt getan – es zeigen sich aber schon kritische Punkte. So zieht Markus Beckedahl aus den Kommentaren und Blogposts erstmal nur „mehr Storytelling“ und dass „Frauen irgendwie eher zu weniger Anonymität tendieren“. Strukturelle Probleme bleiben ausgeblendet.

Außerdem reizt alleine die Aussicht, netzpolitik.org könne sich ändern, die Kommentatoren. Da wird dem Blog zusgeschrieben, nüchtern, sachlich, themenbezogen und unaufgeregt zu sein. Und all das in Gefahr gesehen. Denn Frauen sind anscheinend das Gegenteil von Männern und damit unvernünftig, emotional, aufgeregt und bestimmt auch irgendwie unsachlich.

Dass illustriert vielleicht am besten, was Claudia Kilian mit dem „männlichen Stallgeruch“ meint. Frauen müssen beweisen, dass sie entgegen dem Stereotyp unaufgeregt und sachlich sind, um mitreden zu können und ernst genommen zu werden. Am besten jede einzeln für sich, während jedes „Versagen“ für das ganze Geschlecht gezählt wird. Eine im Zweifelsfall unlösbare Aufgabe. Es gibt kein Diplom in Sachlichkeit, keinen Messbecher für Aufregung.

Schließlich: Bei all den aufgeführten Vorschlägen geht es nicht darum, Frauen mit reißerischen „Schicksalsgeschichten“ aufzurütteln und überzogene Details zu erfinden. Es sind, wie so oft, kleine Veränderungen, die vielen Leuten das Leben leichter machen könnten. Glossare helfen allen weiter, die sich informieren möchten, wie auch Handlungsvorschläge.

Denn die Zukunft des Internets betrifft alle Nutzer_innen. Wer regiert das Internet, wer reguliert es? Wie bewacht oder unbeobachtet können wir uns darin bewegen? Wird das Internet zum reinen Unterhaltungsmedium wird oder kann es weiter für Aktivismus genutzt werden? Je mehr User_innen dabei mitmachen, umso lauter können wir unsere Interessen durchsetzen.