Fotografieren lernen

Schöne Fotos habe ich mir schon lange gerne angeguckt, dabei hat mich früher aber immer nur das Resultat interessiert. Das hat sich verändert: Ich möchte plötzlich wissen, wie man eigentlich fotografiert. Was steckt hinter den verschiedenen Modi meiner Digitalkamera? Wie erziele ich bestimmte Effekte? Ich habe keine supertolle Kamera, es ist eine Systemkamera für Einstieger*innen. Sie wurde mir damals aber empfohlen als „Damit kannst mehr machen als auf den Knopf drücken, wenn Du das möchtest.“ Ich bin eine Person, die eigentlich gerne in Kursen, gemeinsam mit anderen, lernt. Schritt eins für mich: Kursprogramme checken. Nicht zu zeitaufwändig, nicht auf Jahre verbuchend, in einem okayen finanziellen Rahmen. Das brachte mich erstmal in die VHS, in einen nicht ganz so hilfreichen Einstiegskurs mit fünf Terminen zu den Grundlagen ISO, Blende und Belichtungszeit. Danach musste dann das Internet herhalten, damit ich mehr lerne. Es gibt wie immer viel zu viele Infos, das hier ist also eine wild zusammengestückelte Kompilation. (Danke an die Leute, die mir welche davon empfohlen haben!)

Es ist natürlich sehr einfach, bei Youtube nach Fotografie-Tutorials zu suchen. Die meisten kann ich bloß leider nicht anschauen, weil ich die Macker… äh… Macher nicht ertrage. Dudes, die teils sogar im Muskelshirt rumposen, während sie ihr Fotoequipment vorstellen. Die erste der wenigen Personen mit Fototipps auf Youtube, die ich als Frau las, hatte sich ausgerechnet auf Brautfotografie spezialisiert und mit ihren sehr gestellten Fotos konnte ich auch nichts anfangen. Ich habe richtig viel gesehen, was ich hier nicht verlinken möchte, obwohl da Wissen vermittelt wurde. Es ging mir dann eher darum, diejenigen zu finden, die ich bis zuende anschauen kann. Da jede Person sich selbst geeignete Lehrer*innen und/oder Vorbilder suchen muss, hoffe ich, dass Ihr nicht zuviel kriegt…

Da kommen wir gleich zum nächsten Punkt: Wir haben es nicht nur mit vielen „Männern“ hinter der Kamera zu tun, sondern sehr oft auch mit „Frauen“ als Models, die Fotografie ist an vielen Stellen dominiert von männlichen Blicken (auf weibliche Körper). Auch in einigen der Tutorials, die ich für guckbar halte, steckt das leider drin. Bevor Euch die Heteronormativität Youtube’scher Foto-Tutorials erschlägt, soll deshalb an dieser Stelle betont sein, dass es (queer*)feministische Fotografie natürlich gibt: Diesen Fotograf*innen geht es viel um Politik, um Sichtbarkeit/Sichtbarmachung, Repräsentation, Homosexualität oder Enthüllung von Gewalt, aber auch um Körper oder Mode.

Auf ins Internet…

  • Wer sich die volle Breitseite geben möchte, sollte sich die 18-teilige, englischsprachige Vorlesung von Marc Levoy ansehen. Sie trägt den Titel „Lectures on Digital Photography“ und verbindet technischen Hintergrund mit historischen Informationen und praktischen Tipps. (Levoy ist ehemaliger Stanford-Dozent.) Auf den Folien sind teils weiterführende Infos verlinkt, z.B. der Artikel „Why your camera’s sensor size matters“ von Sean Arbabi (engadget.com, 16.12.2011).
  • Für praxisorientierte Tipps kann ich den Youtube-Channel von Claudia Richter empfehlen, z.B. die Clips „Was ist ein Teleobjektiv?“ , „Manuell fokussieren“ oder „Was ist der Unterschied zwischen JPEG und RAW?“
  • Um Bildkomposition geht es in „7 Powerful Photography Tips for Amazing Photos“. Schön, dass der 8. Tipp lautet: „Break all the rules!“
  • Aus der Reihe Fotoausrüstung habe ich eine paar Videos des Fotografen Phil Steele geguckt, z.B. seine ausführliche (!) Einführung in Stative, also worauf Ihr beim Kauf achten solltet, welche praktischer sind als andere usw. Oder die Folge über Gegenlichtblenden. Das sind Dinge, die ich momentan nicht habe, von denen ich aber verstehe, warum sie toll wären.
  • Und für mich immer die Frage: Wie sieht’s aus mit freier Software? Eine freie Kamera-App für Android, die Ihr als Alternative zur vorinstallierten App auf Eurem Smartphone ausprobieren könnt, heißt OpenCamera. Sie bietet ziemlich viele Einstellungsmöglichkeiten, die die herkömmliche App auf meinem Telefon nicht hat.
  • Mit Nachbearbeitung von RAW-Dateien habe ich mich noch kaum beschäftigt, aber immerhin habe ich schon mal Darktable installiert, eine freie Alternative zu Lightroom. Und ich hab meine Kamera so eingestellt, dass sie jedes Bild als JPEG und im RAW-Format speichert, nur für den Fall, dass ich ältere Bilder später nutzen möchte, um Nachbearbeitung zu lernen.

Abgucken und Nachmachen

Ich gucke mir viele Fotos von anderen an. Dabei versuche ich, darauf zu achten, was sie alles auf ein Bild mit draufnehmen, wie sie mit Bewegung umgehen (Viele Berliner*innen scheinen eine Art Straßenbahn-Fetisch zu haben, vielleicht wegen der Farbe gelb?!) und wie das Licht aussieht. Lernen durch Abgucken und Nachahmen also. Etwa hier eine Fotodoku aus dem gesperrten Gebiet um Tschernobyl von Elena Filatova. Wikimedia Commons, Instagram, Flickr oder andere Fotoplattformen sind selbstredend ein toller Fundus für Inspiration.

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Und dann geht es natürlich ums Üben. Ich versuche, mir zwischendurch mal zehn bis zwanzig Minuten Zeit für ein paar Fotos zu nehmen. Dabei mache ich meistens mehrere Bilder von selben Motiv und ändere Einstellungen, um zu sehen, was sich verändert. Einmal war ich auch bei einem Meetup (also einem Treffen, das ich bei meetup.com gefunden hatte). Dort gab es einen Treffpunkt und ein Zitat zur Inspiration, dann sind alle allein oder in Kleingruppen losgezogen und haben ca. eine Stunde lang fotografiert. Das Treffen endete mit einem gemeinsamen Cafébesuch. Ich fand das eine großartige Gelegenheit, das Haus zu verlassen, sich mit neuen Leuten zu unterhalten und ihre Bilder zu sehen. Leider momentan nichts, was ich regelmäßig schaffe.

Kopfhörer fokussiert vor Glas

Fokussieren üben auf dem Schreibtisch

Kopfhörer anders fokussiert vor Glas

Beide: Silke Meyer CC BY-SA 4.0

Übrigens: Wenn Ihr noch Links in petto habt, in denen Aspekte der Fotografie gut erklärt sind, teilt sie gerne über die Kommentarfunktion mit uns!