Feministische Comic Auslese #4: The Nameless City, Paper Girls und Shadoweyes

Feministische Comic Auslese #4: The Nameless City, Paper Girls und Shadoweyes

Dieser Artikel ist Teil 4 von 5 in der Serie Feministische Comic Auslese

Hier stellen wir euch regelmäßig Comics vor. Dabei muss nicht zwingend Feminismus das Thema sein. Auch Figuren, die feministisch handeln oder die feministisch empowernt sind kommen hier vor.

The Nameless City – Faith Erin Hicks & Jordie Bellaire

Worum geht es: Eine Stadt, die geopolitisch und wirtschaftlich von großer Bedeutung ist, wird etwa alle 30 Jahre von einer anderen Nation erobert. Jedes Mal bekommt die Stadt einen neuen Namen. Die indigene Bevölkerung der Stadt lässt sich jedoch nicht in den unendlichen Kriegen verfangen. Für sie ist ihre Heimat die Nameless City, und diejenigen, die sie zu benennen versuchen, bleiben in ihren Augen stets Außenseiter. Kaidu ist ein solcher Außenseiter. Er ist als Dao geboren und erzogen worden – ein Mitglied der letzten Besatzungsnation. Aber innerhalb seines Volkes ist er auch ein Außenseiter: Anstatt sich zu prügeln, versucht er Konflikten aus dem Weg zu gehen, zu vermitteln. „Rat“ ist eine native der Nameless City, sie hat ihre Eltern im letzten Besatzungskrieg verloren und lebt auf der Straße. Zufällig trifft sie auf Kaidu und obwohl sie ihn anfangs verachtet, versucht sie durch eine Abmachung mit ihm, das Beste für sich herauszuschlagen. Langsam bauen beide ihre Vorurteile ab, doch als Rat auf eine Verschwörung stößt, muss sich zeigen, wie viel ihre Freundschaft aushält.

Wer macht es: Faith Erin Hicks ist eine kanadische Comic Autorin und Zeichnerin. Bisher veröffentlichte Werke umfassen sowohl Ko-Produktionen wie „The Last of Us: American Dreams“ als auch eigenständige Arbeiten wie „Friends with Boys“.  2014 wurde sie für „The Adventures of Superhero Girl“ mit dem Eisner Award ausgezeichnet.

Jordie Bellaire ist eine Koloristin aus Irland die für die Farbgestaltung von Titeln wie Nowhere Men, Pretty Deadly, The Massive und Captain Marvel verantwortlich war. Aktuell arbeitet sie u.a. an Injection, They’re not like us und Blue Monday.

Wo ist da der Feminismus: Hicks verarbeitet feministische Themen wie Klassismus, Rassismus oder toxic masculinity in den Figuren, der Welt und dem Plot des Comics.

Paper Girls – Brian K. Vaughan, Cliff Chiang und Matt Wilson

Worum geht es: Wir befinden uns in den USA der 80er. Ein junges Mädchen, Erin, beginnt am Morgen von Halloween ihren ersten Tag als Zeitungsausträgerin. Sie trifft dabei schnell auf drei Kolleginnen, von denen sie unter die Fittiche genommen wird. Doch bald geschehen merkwürdige Dinge und seltsame Wesen tauchen auf, die in einer unverständlichen Sprache kommunizieren. Erin, Mac, Tiffany und KJ lassen sich jedoch nicht einschüchtern und versuchen, herauszufinden, was zur Hölle eigentlich vor sich geht.

Wer macht es: Brian K. Vaughan ist ein US-amerikanischer Comic- und Fernsehautor. Er arbeitete für die TV-Serie „Lost“ sowie für Marvel und DC. Seine derzeit bekannteste Comic-Reihe ist „Saga“ bei Image. Er wurde für seine Comics bereits mehrfach mit dem Eisner Award ausgezeichnet.

Cliff Chiang ist ein Us-amerikanischer Comic-Künstler. Früher ein Redakteur bei DC Comics, arbeitet er mittlerweile als Illustrator und Zeichner, der u.a. für „Green Arrow/Black Canary“ and „Wonder Woman“ bekannt ist.

Matt Wilson hat als Kolorist an Comics wie „The Wicked & The Divine“, „Phonogram“ oder „Swamp Thing“ gearbeitet. Er war bereits mehrfach für den Eisner Award nominiert.

Wo ist da der Feminismus: Der Comic bietet so viel mehr als nur Girl Power – jedes der Mädchen hat einen vielschichtigen Charakter. Außerdem wird die Jungs-gegen-Mädchen-Trope direkt am Anfang kurz abgefrühstückt und dann links liegen gelassen. Jungs und Männer spielen in den Leben der Vier einfach keine große Rolle. Ohne das sehr stimmige 80er Jahre Setting zu zerstören werden Probleme der Zeit aufgegriffen. Zum Beispiel beschimpft Mac einmal einen Jungen mit einem damals gängigen homofeindlichen Begriff. Das wird aber nicht einfach stehen gelassen sondern dem wird widersprochen, mehrfach, bis sie es kapiert. Wem die Netflix Serie „Stranger Things“ zu Jungs-dominant war, der findet bei „Paper Girls“ ein zu Hause. Jedoch eine kleine Warnung: Aufgrund der teilweise expliziten Gewaltdarstellung nicht uneingeschränkt für die Leserschaft geeignet. (Andererseits habe ich auch mit zwölf Jahren Medien konsumiert, für die ich noch zu jung war). Im englischen Original sind bei Image bisher zwei Trade Paperbacks erschienen, auf Deutsch hat Cross Cult einen schönen Hardcover Band herausgebracht.

 

Shadoweyes – Sophie Campbell

Worum geht es: Scout Montana ist ein eher launisches Teenagermädchen, das mit ihrer Mutter im Jahr 200x in der Megastadt Dranac lebt. Mit ihrer besten Freund*In Kyisha will sie als Verbrechensbekämpferin ihren Stadtteil ein Stück besser machen. Doch bei ihrem ersten Einsatz bekommt sie einen Ziegelstein an den Kopf. Der verpasst ihr nicht nur eine ordentliches Schädeltrauma sondern löst auch eine seltsame Veränderung in ihr aus und sie verwandelt sich in ein tierartiges Wesen mit enormen Kräften. Als „Shadoweyes“ führt sie nun ihren Kampf gegen das Verbrechen fort. Doch das führt zu Spannungen mit Kyisha und ihrem neuen Freund Noah. Als Scout sich auf einmal nicht mehr in ihre Menschenform zurückverwandeln kann und immer mehr Personen vermisst werden wird es immer schwieriger für Scout zu entscheiden, was das Richtige ist.

Wer macht es: Sophie Campbell ist eine Autorin und Zeichnerin die sowohl für große Verlage arbeitet (z.B. Teenage Mutant Ninja Turtles, Jem & The Holograms, Glory) als auch eigene Comics veröffentlicht (Wet Moon, Water Baby). Auf ihrem tumblr und auf Twitter veröffentlicht sie regelmäßig Fanart.

Wo ist da der Feminismus: Sophies Comics bestechen durch tollen Designs in Sachen Körperformen und vermitteln body positivity. Außerdem handeln ihre Geschichten häufig von queeren Figuren und  Themen und die Figurenpalette ist immer sehr divers. Bei „Shadoweyes“ wird das ganze in das Dark Superhero Genre implementiert. Die Hauptfigur Scout ist eine Black Person Of Colour mit Asthma und ihre Monstergestalt ist eher unförmig mit übergroßen Füßen. Ihre beste Freundin Kyisha ist intersexuell und auch wenn die damit einhergehenden Probleme vorkommen, wird ihr Leben nicht allein davon bestimmt. Das düstere Setting wird von Campbell immer wieder durch witzige oder knuffige Situationen aufgebrochen ohne  kontraproduktiv zur Stimmung zu sein. Dabei kommen auch die zwischenmenschlichen Dramen nicht zu kurz, die die Figuren bodenständig und glaubhaft machen. Superheld*Innnen Geschichten wie diese darf es gern viel öfter geben!

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