Der ARD/ZDF Förderpreis »Frauen + Medientechnologie«

Die drei Preisträgerinnen des ARD/ZDF Förderpreis 2012

Die drei Preisträgerinnen des ARD/ZDF Förderpreis 2012: Stephanie Haberkern (3.Preis), Judith Jakob (2. Preis) und Tamara Seybold (1. Preis) (v. l. n. r.). (Foto: ARD/ZDF Förderpreis »Frauen + Medientechnologie«/Pflug)

Vor etwas mehr als einer Woche, am 31 August, wurde auf der IFA in Berlin zum inzwischen vierten Mal der ARD/ZDF Förderpreises »Frauen + Medientechnologie« vergeben.

Mit dem Preis werden seit 2009 jährlich Abschlussarbeiten von Frauen* ausgezeichnet, die sich mit dem Themenbereich Medientechnologie befassen. Ausgerichtet wird er von der ARD.ZDF medienakademie, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Beteiligung von Frauen in der audiovisuellen Medienproduktion und -distribution zu unterstützen und zu fördern.

Teilnehmen können alle Absolventinnen*, die an einer deutschen, österreichischen oder schweizerischen Hochschule im Bereich der Technik- und Ingenieurwissenschaften, Medienwissenschaften oder einem anderen Fachgebiet mit Bezug zur Medientechnologie studiert haben. Den drei erst platzierten winken Geldpreise in Höhe von 2000,- bis 5000,- € sowie neue Kontakte zu Firmen und innerhalb der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Schon allein das verhältnismäßig hohe Preisgeld macht die Auszeichnung im deutschsprachigen Raum einzigartig.

Eine der diesjährigen Preisträgerinnen, Judith Jakob, hat sich für ein kurzes Interview mit Femgeeks zeitgenommen:

Femgeeks: Was hast du studiert?

Ich hab zuerst den Bachelor in Mathematik mit Nebenfach Informatik gemacht. Danach habe ich den Masterstudiengang Angewandte Mathematik mit Vertiefungsgebiet Bildverarbeitung durchlaufen und erfolgreich abgeschlossen. Beide Studiengänge habe ich in Saarbrücken an der Universität des Saarlandes absolviert.

Femgeeks: Haben sich noch weitere Kommilitoninnen auf den ARD/ZDF Förderpreis beworben?

Soweit ich weiß nein, aber das liegt daran, dass die Themen in der Mathematik sehr vielfältig sind und nicht alle einen Bezug zu den Medien haben.

Femgeeks: Was war das Thema deiner Abschlussarbeit?

Der Titel meiner Arbeit lautet „Mathematische Restauration von stark zerstörtem Filmmaterial“. Sie wurde von Prof. Dr. Weickert von der Universität des Saarlandes betreut und entstand in Zusammenarbeit mit der Firma „C.R.S. iiMotion GmbH“ in Villingen-Schwenningen.
In der Arbeit habe ich eine Restaurationskette zur Verbesserung von stark zerstörtem Filmmaterial entwickelt. Man kennt das ja aus dem Fernsehen, dass einige alte Filmdokumente etwa Schrammen, Flecken oder Kratzer haben. Der Schwerpunkt meiner Arbeit lag darin, Methoden zu entwickeln, diese Fehler zu detektieren.

Femgeeks: Wie und wann bist du auf den ARD/ZDF Förderpreis für Frauen in der Medientechnologie aufmerksam geworden?

Mittlerweile bin ich fest angestellt bei der Firma, in der ich meine Abschlussarbeit geschrieben habe. Mein Chef hat mir den Flyer gegeben und mir geraten, mich zu bewerben.

Femgeeks: Wie schätzt du das Bewerbungsverfahren ein?

Das Tolle an der Sache ist: Die Abschlussarbeit ist ja schon geschrieben und damit ist die meiste Arbeit bereits getan. Es muss darüber hinaus eine Zusammenfassung der Arbeit, der Lebenslauf und ein Gutachten des Erst- oder Zweitprüfers bzw. der Erst- oder Zweitprüferin abgegeben werden. Insgesamt also ein überschaubarer Aufwand, der sich lohnt.
Die Homepage ist sehr übersichtlich und enthält alle wichtigen Informationen und auch die Bewerbung erfolgt direkt über die Homepage – also genau das richtige für junge Leute, die mit dem Internet groß geworden sind. Außerdem antwortet das Team des Projektbüros schnell und kompetent auf Mails.
Einen Grund sich nicht zu bewerben gibt es also eigentlich nicht. Ich könnte mir vielleicht noch vorstellen, dass die eine oder andere Bedenken hat, dass ihre Arbeit nicht gut genug ist. Aber eigentlich hat man ja nichts zu verlieren – und wenn’s gut läuft einiges zu gewinnen…

Femgeeks: Haben sich durch die Nominierung/ Auszeichnung neue Möglichkeiten für dich aufgetan?

Durch die Auszeichnung konnte ich, vor allem im Rahmen der Preisverleihung in Berlin, viele Kontakte knüpfen zu Verantwortlichen von Rundfunkanstalten, Verbänden und Universitäten. Auch den Austausch mit den anderen Preisträgerinnen finde ich sehr spannend.

Femgeeks: Bist du der Meinung, dass dir die Verleihung des Preises in Zukunft Vorteile verschafft?

Eine derartige Auszeichnung macht sich natürlich immer gut im Lebenslauf und unterstreicht meine fachliche Kompetenz. Auch die zahlreichen oben genannten Kontakte sind natürlich ein Vorteil. Darüber hinaus konnte ich viele Erfahrungen sammeln, die mich persönlich voranbringen, wie zum Beispiel der Umgang mit der Presse.

Femgeeks: Wie hat dein Umfeld auf die Verleihung des Preises an dich reagiert?

Die Reaktionen waren eigentlich durchweg positiv und es ist schön, dass sich viele Menschen mit mir freuen.
Natürlich kam manchmal die Frage auf, warum denn der Preis nur für Frauen sei. Ich habe dann geantwortet, dass ich mich für den Preis auch beworben hätte, wenn er für Männer und Frauen ausgeschrieben wäre. Außerdem denke ich, dass wir leider noch nicht so weit sind, dass jede und jeder ihren/seinen Beruf nach persönlichen Talenten und Interessen wählt. Daher finde ich es gut, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass es viele kompetente Frauen in Berufen gibt, die dem klassischen Rollenbild nach eher „Männerberufe“ sind (wobei das natürlich ebenso umgekehrt gilt: Es gibt auch viele kompetente Männer in sogenannten „Frauenberufen“).

Falls sich bei der ein oder anderen jetzt die Lust am mitmachen regt, die Bewerbungsrunde für 2013 steht quasi schon in den Startlöchern. Und wie Judith schon sagte, die Bewerbung ist nicht sehr zeitaufwendig und lässt sich komfortabel über die Webseite abwickeln. Die überschaubare Zahl von 30 Bewerberinnen* in der letzten Runde sollte doch zu toppen sein!