#Aufschrei: Wissenschaft to the rescue!

Drei Wissenschaftler_innen der Uni Bielefeld haben eine Stellungnahme zu Sexismus-Brüderle-Herrenwitzen-#Aufschrei (PDF), bzw. der Darstellung in den Medien herausgegeben. Bisher, so die Autor_innen, spielten Forschungsergebnisse keine Rolle in der Diskussion. Dabei könnte man sich mit einem Blick darauf viele Debatten sparen.

Dass es beim Thema „Sexismus“ heute noch lange nicht um Einzelfälle geht, hat #Aufschrei deutlich gemacht. Darüber hinaus sind derartige Vorfälle aber noch lange nicht harmlos, sondern führen zu Angst und psychosomatischen Beschwerden bis hin zu häufigem Krankenstand. Die EU-Studie zu Belästigung an Hochschulen hatte ähnliche Folgen festgestellt, etwa dass belästigte Studentinnen ihr Studium abbrechen.

Wie in der EU-Studie geben auch die Wissenschaftler_innen der Uni Bielefeld an, dass überwiegend Frauen Opfer sexueller Belästigung sind und Männer Täter. Wenn Männer belästigt werden, dann meist von Männern. An dieser Stelle lohnt ein Blick nach Großbritannien. Dort liegen die Verurteilungsraten bei sexuellen Übergriffen gegen Männer deutlich höher als gegen Frauen.

Auch bei Gewalt in heterosexuellen Paarbeziehungen sieht es nicht so aus, wie Monika Ebeling gern erzählt: Wiederholte körperliche Gewalt gegen oder schwere Verletzungen von Männern sind Einzelfälle. Die Gewalt, die Frauen ausüben, bedeutet ironischerweise Ohrfeigen, Tritte und Wegschubsen – alles die Dinge, die auch in dieser Debatte gern empfohlen werden (Genderreport des BMFSFJ, Kapitel 10, PDF).

Zur Frage des „Wehrens“ zeigt die Stellungnahme, dass es einen Unterschied macht, ob über Belästigungen geredet oder diese tatsächlich erfahren werden. Hyptothtisch betrachtet, sehen sich viele in der Lage, sich zu wehren und finden Belästigung ärgerlich. In der realen Situation sind allerdings viele eingeschüchtert und lassen lieber alles über sich ergehen. Nicht die schlechteste Entscheidung, denn Beschwerden sind mit negativen Konsequenzen für das Opfer verbunden. Wer auf sein unangemessenes Verhalten hingewiesen wird, lässt dies zwar oft – dass dies die Betroffenen machen müssen, steht allerdings nicht fest.

Schließlich gehen die Autor_innen auch auf die Frage nach „Missverständnissen“ ein. Nicht unüberraschend stellt sich dabei heraus, dass Männer und Frauen gleichermaßen zwischen angemessenen und anzüglichen Bemerkungen unterscheiden können:

Männer fanden lediglich vier der Witze lustiger als Frauen, wobei den Männern aber dennoch bewusst war, dass die Witze sexistisch und unangenehm sind.

Als Vergewaltigungsentschuldigung ist die „Missverständnis-Theorie“ schon eine Weile wissenschaftlich widerlegt. Sowohl Männer, als auch Frauen, lehnen Sex nicht verbal ab. Und Männer senden nicht nur non-verbale Signale, sie sind auch in der Lage, diese Signale zu lesen.

Nachdem das geklärt ist: wenden wir uns der Frage zu, was wir gegen Diskriminierungen tun können. Danke.