Wahres Verbrechen: „Charlie Says“ – Ein Spielfilm über die Manson-Mörderinnen

Wahres Verbrechen: „Charlie Says“ – Ein Spielfilm über die Manson-Mörderinnen

Charlie Says ist ein Independent-Film, der dieses Jahr auf dem Final Girls Festival Berlin gezeigt wurde. Regie führte Mary Harron, Guinevere Turner schrieb das Drehbuch. In der gleichen Konstellation entstand bereits der Film American Psycho (2000).

Charlie Says dreht sich um die drei verurteilten Mörderinnen Leslie ‚Lulu‘ van Houten (Hannah Murray), Patricia ‚Katie‘ Krenwinkel (Sosie Bacon) und Susan ‚Sadie‘ Hopkins (Marianne Rendón), die im Hochsicherheitstrakt einer kalifornischen Frauenvollzugsanstalt untergebracht sind. Sie bekommen die Lehrerin Karlene Faith zur Seite gestellt (gespielt von Merritt Weaver, die zuletzt in einer Nebenrolle in „Marriage Story“ überzeugte), die versucht, den Frauen die Realität ihrer Taten bewusst zu machen.

Sosie Bacon, Hannah Murray, and Marianne Rendón | © Koch Media

Sosie Bacon, Hannah Murray, and Marianne Rendón | © Koch Media

In Rückblicken wird die Geschichte der jungen Frauen auf der kalifornischen Spahn-Ranch erzählt. Im Vordergrund steht dabei Leslie/Lulu, ihre Ankunft auf der Farm, wie sie ein Teil der „Familie“ von Charles ‚Charlie‘ Manson (Matt Smith) wird und von ihm gemeinsam mit den anderen Anhängerinnen manipuliert, isoliert und unter einen ständigen Drogeneinfluss gesetzt wird – bis zur blutigen Gewalteskalation durch die Tate-LaBianca-Morde 1969, die zuletzt in Quentin Tarantinos Film „Once Upon A Time… In Hollywood“ aufgegriffen wurden.

Die Story verfolgt die Gehirnwäsche der Frauen sowie ihren Weg zurück in die Realität. Die Rückblenden nehmen dabei die meiste Zeit ein. Das Publikum taucht tief in das Leben in der Kommune ein, das nicht zuletzt deshalb so glaubhaft und detailliert dargestellt ist, weil Turner ihre eigenen Erfahrungen des Aufwachsens in einer Sekte in das Drehbuch einfließen ließ.

Es wird deutlich, wie Manson sich Anhängerinnen suchte, die in einer prekären Lage waren, und ihre Verletzlichkeit für sich und seine rassistischen Zwecke ausnutzte. Während ein Großteil des Films in der falschen Idylle auf der Farm spielt, wird auch dort die Stimmung düsterer, als Manson beginnt, die Gruppe auf seine Weltuntergangsvorstellung einzuschwören, die in den mehrfachen Morden endet.

Matt Smith als Charles Manson  | © Koch Media

Matt Smith als Charles Manson | © Koch Media

Im Unterschied zu den sonnendurchfluteten Bildern von der Ranch sind die Aufnahmen im Gefängnis von kühlen Blautönen, strengen Winkeln und statischen Kameraeinstellungen geprägt. Die Szenen in der Vollzugsanstalt zeigen, wie Leslie und Patricia im Gefängnis noch immer an die eigene Unschuld glauben. Charlie hatte doch gesagt, dass sie es tun sollten, und Charlie hatte immer Recht…

Schließlich beginnen sie, ermutigt durch Faith, an diesem Narrativ zu zweifeln und sich ihre Schuld einzugestehen. Der Sinneswandel der Frauen im Gefängnis erfolgt recht plötzlich und für das Publikum somit nicht vollständig nachvollziehbar. Klar wird im Film aber das Ausmaß der Manipulation der Frauen durch Charles Manson, die zu ihrer bedingungslosen Hingabe und schließlich bis zum Mord führt.


Charlie Says gibt es als BluRay und DVD und kann auf Amazon Prime gestreamt werden.