Game over. Frauen* und Computerspiele

This Is Why Girls Suck At Gaming“  war vorgestern ein Artikel betitelt. (Ich verlinke hier nicht zur Originalseite, sondern zu einem Screenshot.) Der Text strotzt vor Sexismus/Misogynie, doch leider fasst er perfekt sämtliche (Vor)Urteile zusammen denen Frauen*, die spielen, ausgesetzt sind.

Grundlage all dieser „Argumente“ sind erst einmal essentialistische Aussagen über Frauen*, d.h. Aussagen, die behaupten alle Frauen* teilen von Natur aus bestimmte Einstellungen und Voraussetzungen. In dem Artikel steht dann also, dass sie eigentlich eh viel lieber shoppen und Männern* die Herzen brechen (das sind die Spiele die Frauen* spielen und natürlich spielt der Artikel auch nur in einer heterosexuellen Matrix). Außerdem seien sie viel zu sozial für Spiele, würden vor kleinsten Problemen zurückschrecken und mögen auch keinerlei Gewalt. Eine Frau*, die Counter Strike spielt, gibt es laut dem Artikel nicht. Ein ganz besonderes Ärgernis scheint dem Autor zu sein, dass Frauen* ständig reden.

Es wird vollkommen ignoriert, dass Frauen* keineswegs eine homogene Gruppe sind und über vielfältige Interessen, Charaktereigenschaften und Vorlieben verfügen. Gleichzeitig werden alle Eigenschaften, die in unserer Gesellschaft als weiblich* angesehen werden, systematisch abgewertet. Frauen* kommunizieren gerne? Wie anstrengend. Gewalt doof finden? Tja, dann spiel halt nicht.

Überraschend kommt dann der Absatz, wo der Autor feststellt, dass kaum Spiele für ein explizit weibliches* Publikum entworfen werden. Doch beruht die Kritik in diesem Fall erst einmal auf der irrigen Annahme, dass Frauen* – und ausschließlich diese – automatisch Spiele für Frauen* machen. Der Autor schreibt, dass 5% der Game-Designer_innen Frauen* seien und damit auch 5% der Spiele. Und dass es dem Autor nicht wirklich ernst ist, liest mensch direkt darauf, wo diese 5% der Spiele als unsinnig abgetan werden.

Damit und mit weiteren Ausführungen zeigt der Artikel auch auf, wie Spielerinnen immer wieder unsichtbar gemacht werden. Es wird unterschieden zwischen „richtigen Spielen“ und anderen. Bezeichnenderweise sind es gerade die Spiele, die eine ausgesprochen hohe Spielerinnen-Quote haben, wie z.B. Browsergames, die nicht als ernstzunehmendes Gaming verstanden werden. Click-and-Point-Adventure sind auch keine wirkliche Herausforderung. Und Aufbau-Strategie-Spiele müssen wohl in erster Linie Command&Conquer oder Starcraft heißen.

Der Autor endet seine Ausführungen mit einem typischen „Ich bin ja nicht sexistisch, aber…“-Ausspruch, in dem er hervorhebt, dass es natürlich Ausnahmen gebe, denn real gamer girls wären das tollste. Dass aber männliche* Gamer die Deutungshoheit behalten wollen, wer als real gamer girl zählt, hat z.B. Felicia Day in der letzten Woche mal wieder erfahren.

Felicia Day schreibt, produziert und spielt in der Webserie The Guild, welche, wie der Name schon erahnen lässt, sich um eine Spieler_innen-Gilde dreht. (Außerdem macht sie noch ganz viele andere Dinge und hat Studienabschlüsse in Musik und Mathematik!). Ihr Spielerinnen-Sein und Bekennen zum Geektum wird aber immer wieder abgesprochen und so kann ein Twitter-User mit 50 Follower_innen daherkommen, ihre Relevanz in Frage stellen und damit selbst 2000 neue Follower_innen gewinnen.

Frauen* und Computerspiele? Manchmal schon ein Game Over bevor der Start-Button gedrückt wurde. Entweder spielen sie die „falschen Spiele“ und werden gar nicht gesehen. Oder sie spielen die „richtigen Spiele“ und werden entweder ebenfalls ignoriert oder Zielscheibe sexistischer Angriffe. Ganz davon abgesehen welche *istischen Muster in vielen Spielen zu finden sind. Und was richtige und falsche Spiele, was echte und unechte Gamerinnen, was Geeks oder nicht Geeks sind, erfahren wir weiterhin besonders lautstark von Männern*.