Feministische Netzpolitik, wohin mit dir?

Letzte Woche erschien eine Studie zu feministischer Netzpolitik, die Kathrin Ganz im Auftrag des Gunda-Werner-Institut Berlin geschrieben hatte. Unter dem Titel „Feministische Netzpolitik. Pespektiven und Handlungsfelder“ verspricht sie folgendes:

Sie [die Studie] skizziert Perspektiven queer-feministischer Netzpolitik, sammelt vorliegende geschlechterpolitische Ansätze zu Netzpolitik, und beschreibt deren Felder aus feministischer Perspektive.

Zur erst natürlich einmal die Frage: Was ist überhaupt feministische Netzpolitik? Sie ist eben nicht mit Netzfeminismus oder Online-Feminismus, also feministischen Formen, die das Internet als Plattform nutzen, zu verwechseln, sondern beschreibt feministische Auseinandertzung mit netzpolitischen Themen. Dabei schließt sich natürlich die Frage an, was diese Themenfelder sind. Kathrin Ganz erklärt ihre Definition genauer im zweiten Kapitel ihrer Studie. In der Analyse jedenfalls folgt sie dann zu erst den „vier großen Themen“, wie sie von Sandra Braman herausgearbeitet wurden:

  1. Zugang zu Internet
  2. Zugang zu Inhalten (umschließt zum Beispiel Fragen der Zensur)
  3. Eigentumsrechte
  4. Privatsphäre/ Datenschutz

Kathrin Ganz ergänzt diese Felder aber noch um ein weiteres: Digitale Öffentlichkeit und Kommunikation. Und gerade in diesem Feld und ihrer Zusammenfassung der dazugehörigen Debatten wird klar, warum es oft auch schwer ist eine dezidiert feministische Netzpolitik zu formulieren, die sich anschließt an andere netzpolitische Debatten oder von diesen ausgeht. Denn eine Frage die sich oft stellt: Für was für ein Internet wird eigentlich gekämpft? Wie Kathrin Ganz richtig feststellt:

Der Traum von einem globalen virtuellen Raum, in dem Macht- und Herrschaftsverhältnisse keine Rolle spielen, ist schon lange ausgeträumt

Die Studie zu mindestens zeigt einige bisherige interessante Ansatzpunkte auf und gibt eine gute Grundlage zum Diskutieren zu feministischer Netzpolitik. Doch gibt es natürlich auch einige Punkte, die an der Studie bereits kritisch zu sehen sind. Kathrin Ganz rahmt ihre Analyse als „queer-feministisch“. Diese noch spezifischere Perspektive auf Netzpolitik hätte mich auch sehr interessiert, nur finde ich sie leider nicht in dem Umfang, wie ich sie nach der Einleitung erwartet hätte.

Dies liegt natürlich teilweise auch an der Literatur, die zur Zeit zugänglich ist. Doch wird diese nach der Einleitung nicht mehr kritisch hinsichtlich von Faktoren wie Zweigeschlechtlichkeit hinterfragt. So heißt es dann zum Thema Hate Speech:

Frauen scheinen in besonderer Weise von dem Risiko betroffen zu sein, bedroht zu werden, nur weil sie sich im Internet zu Wort melden.

Auch finde ich es problematisch, dass bestimmte rassistische Konzepte in der Studie benannt werden, zwar durch Anführunsgzeichen markiert aber nicht einmal durch Fußnoten kontextualisert werden. Gerade wenn auf Grundlage dieser Studie weiter an queer-feministischen und intersektioneller Netzpolitik gearbeitet werden soll, sollten diese Stellen noch einmal problematisiert werden.

Nach dem Lesen der Studie war mir aber auch mal wieder eins klar: Ich möchte gern weiter über feministische Netzpolitik nachdenken. Ich wünsche mir dabei vorallem eine feministische Netzpolitik, die nicht allein Extraperspektiven zu bisherigen netzpolitischen Diskussionen beisteuert, sondern frei von diesen vielleicht auch ganz eigene Themenfelder entwickelt und dabei auch grundlegende Konzepte wie die Definition des „Politischen“ wieder einmal in Frage stellt.