Adria Richards gefeuert: Weil sie einen Sexisten outete. [Updated]

Entwicklerin Adria Richards wurde von SendGrid gefeuert. Vor knapp einer Stunde ließ die Firma über Facebook und Twitter verlauten [Übersetzung von mir]:

Sofort eintretend hat SendGrid den Arbeitsvertrag mit Adria Richards gelöst. Obwohl wir ansonsten sensibel und vertraulich mit den Angelegenheiten unserer Angestellten umgehen, ist diese Situation eine öffentliche Angelegenheit geworden. Wir haben das getan, was wir als bestes für die Gesamt-Interessen von SendGrid, seinen Angestellten und den Kund_innen halten. Wir sind noch dabei alle Informationen zu verarbeiten und werden in dem Prozess noch etwas Umfassendes posten.

Und warum wurde sie nun genau gefeuert? Sie hatte die Nerven einen Entwickler von Playhaven zu outen, der auf einer Konferenz sexistische Witze machte. Noch einmal klar: Sie wurde gefeuert, weil sie Sexismus benannte. Aufgrund von dieser Sache wird sie sowieso nun schon seit Tagen online angegriffen, diese öffentliche Verkündung gießt da noch einmal mehr Feuer ins Öl. Und wie traurig zu lesen, dass Richards noch gestern einem Typen bei Twitter schrieb [Übersetzung von mir]:

Hey @mundanematt, die letzten 24 Stunden haben gezeigt, dass du ein Mobber bist. @SendGrid unterstützt mich. Hör auf zu trollen.

SendGrids Unterstützung hat leider nicht lange angehalten. Um so mehr sollten wir Adria Richards unterstützen. Schreibt auf Twitter. Schreibt auf Facebook. Oder alle Kanäle, die ihr sonst so nutzt.

#teamadria

Update [22.03.2013]

Seitdem ich diesen Artikel schrieb, konnte ich keinen einzigen Kommentar freischalten (und es gab bereits fünf). Jedes Mal wenn ich auf Twitter gucke, gibt es irgendeine Reply, die uns erzählt, dass wir ja nichts verständen. Eigentlich zeigt sich allein dadurch: Es geht um Sexismus. Es geht vor allem nicht allein um die paar Witze auf der PyCon, sondern um eine zutiefst sexsitische und misogyne Branche.

Wer_welche noch einmal genau nachlesen möchte, was vorgefallen ist, der_die liest am besten den aktuellen Artikel bei Jezebel: „Woman in Tech Tweets About Sexist Dudes in Tech. Dude Gets Fired. Internet Meltdown Ensues.„. [Englisch] (Wie immer gilt: Nicht die Kommentare lesen.) Ich übersetze hier zwei wesentliche Stellen.

Wann und in welchem Umfeld wurden die Witze gerissen:

Richards mochte die Witze nicht. Sie mocht vor allem auch nicht, wie mit diesen Missachtung gegenüber dem Sprecher ausgedrückt wurde, der gerade über Programme sprach, die die Tech Community offener für Frauen gestalten sollen.   Währenddessen fühlten sich ein paar Typen im Publikum – Richards Fotos zeigen da ein Meer an Männern – 100% komfortabel krude Witze zu reißen, welche Leute gewöhnlich höchstens zu Hause machen. Und dass ist eben weil, für sehr viele Typen, Tech ist ein Raum, der Männern gehört.

Was geschah danach:

Als erstes wurde einer der Männer, der auf Richards Foto zu sehen war, gefeuert (Seine Firma war einer der Sponsoren von PyCon). Richards hatte nicht gefordert, dass er gefeuert wird, sie hat die Entscheidung nicht abgefeiert […].  Trotzdem wurde Richards Firma SendGrid – NICHT die Firma, die den Typen gefeuert hat – Ziel eines DDoS-Angriffs mit freundlicher Genehmigung von 4chan (ihr kommuniziertes Ziel war „ihr [Richards] Leben zu zerstören“).  Über sie rollte auch die übliche Lawine von Gewalt- und V*rg*w*lt*g*ngs-Androhungen, die über Frauen hereinbricht, die es wagen die von Männern dominierte Tech-Kultur zu kritisieren (sie auch: Sarkeesian, Anita, oder überall sonst).

Es sollten sich weiterhin mehr Menschen hinter Adria Richards stellen, einer der wenigen prominenten WoC der Branche. Sie hat nichts falsch gemacht. Es ist billig, wenn SendGrid sich rausredet, dass sie Richards aus ökonomischen Gründen halt feuern mussten.

#rage #teamadria