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Überwachungswahn feat. Trägheit

Beinahe kein Tag vergeht an dem nicht irgendwelche neuen nationalen und internationalen Geheimdienstschweinereien aufgedeckt werden. Überwachung ist überall. Jeder wird überwacht. Denn in jeder_m von uns steckt ein_e potentielle_r Verbrecher_in. Immerhin werden 100% aller Verbrechen von Menschen begangen, warum dann nicht auch alle überwachen. Und wenn es keine Sicherheitsaspekte sind dann eben wirtschaftliche. Wir werden schon einen Grund finden. Soweit so vollkommen bescheuert – schäume ich vor mich hin. Bloß nicht umdrehen oder auf die Reaktionen der anderen achten. Denn, wenn ich das tue dann geht’s gleich wieder von vorn los.

WAS für eine Herde! Tausendmal gehört, tausendmal nicht verstanden: Ich hab nichts zu verbergen! Was soll’n die bei mir schon finden. Wundert dich das wirklich? Das machen die doch schon ewig, kannste eh nix machen.

Aha! Ja, ich weiß in diesem Land werden immer noch die meisten Probleme auf diese Weise angegangen: Ignorieren. Aber wo Heilung durch Ignoranz beim Schnupfen vielleicht noch funktioniert, ist das bei gesellschaftlichen und politischen Problemen leider nicht der Fall. Das Problem wird nur verschleppt und irgendwann ist es chronisch, nicht therapierbar, oder nur mit sehr viel Aufwand. Ich frage mich permanent, bei aller Historie, wieso haben die Leute in diesem Land eigentlich nicht mehr Angst vor dem nächsten Überwachungsstaat? Leute arbeiten immer noch Stasivergangeheiten auf. Enthüllungen diesbezüglich zerstören immer noch Familien und Freundschaften. Leute sind schockiert, was von ihnen aufgezeichnet wurde, aber es ist allen egal, was über sie so an Daten und Informationen zur Zeit im Umlauf ist und was der Staat damit macht? Oder Unternehmen?

Schon mal am frühen Morgen aus dem Bett gezogen worden, weil irgendwo jemanden drei Zeilen Text falsch interpretiert hat? Schon mal nicht in die USA reingelassen worden, weil man dumme Witze bei Twitter gemacht hat? Kann mir nicht passieren? Sicher? Ich nehme an, dass die Leute da auch nicht drauf vorbereitet waren.

Schon mal keinen Kredit bekommen, weil dein Schufa-Score scheiße war und das nur weil du das falsche Alter hattest und im falschen Stadtteil gewohnt hast? Auch Daten, die vermeintlich für sich genommen nichts aussagen, können dir in Summe auf die Füße fallen.

Viele Daten bedeuten viel Macht, und viel Macht in der Hand von wenigen ist gefährlich für die Demokratie. Die Frage ist nur, wozu wird sie missbraucht? Ein entscheidener Grund, warum sich so wenig Menschen drehen, könnte sein, dass überhaupt nicht klar ist, was mit den Daten passiert, passieren soll oder wird. Einige meinen auch, es sind sowieso so viele, dass sie überhaupt niemand mehr vernünftig auswerten kann. Aber ist es wirklich die richtige Entscheidung, zu warten bis es klar ist? Bis irgendwo schwarz auf weiß steht, wer was über mich weiß und welche Konsequenzen das für mich hat?

Ich appeliere!

Verschlüsselt eure Kommunikation! Verschlüsselt eure Daten! Wenn nicht alle, dann wenigstens so viel wie möglich. Ich weiß, dass es mitunter schwierig ist. Wer viel im Netz unterwegs ist, nicht auf Social Media Plattformen verzichten will, vielleicht sogar aus beruflichen Gründen, gibt unweigerlich einiges von sich preis. Dann muss es aber doch trotzdem nicht alles sein. Und nicht zu letzt gilt es, endlich ein Zeichen zu setzen. Zu sagen: Auch wenn ich das und das über mich teile, heißt es nicht, dass es mir egal ist, was mit dem Rest meiner Daten passiert. Es gilt, keine Freifahrtsscheine für Politiker_innen zu verteilen, nur weil sich keiner vorstellen kann, was die mit den Daten schon machen sollen. Denen fällt schon was ein, auch wenn sie behaupten, dass sie doch ganz harmlos sind.

Aber Verschlüsselungszeug ist so kompliziert, unübersichtlich und überhaupt

Für diese letzte Ausrede präsentieren wir euch in den nächsten Wochen eine kleine Reihe zu Datensicherheit und Verschlüsselung, in der wir in hoffentlich leicht verständlichen Anleitungen, inkl. Tips und Hinweisen für mögliche Software und Techniken, vorstellen wie ihr eure Kommunikation und eure Daten im Netz vor unberechtigtem Zugriff schützt.

Von Susanne

Susanne ist zur Zeit hauptberuflich Weltenbummlerin und Bloggerin. Zuvor studierte sie Medientechnologie und arbeitet ein Jahr als Systemingenieurin beim öffentlich-rechtlichen Fernsehn. Zum Geek wurde sie vorallem über Computerspiele und die unlängst erwachte Freude am Webprogrammieren. Die Feministin in ihr ist sowohl Ergebnis einer empowernden Familie als auch eine Antwort auf die Erfahrungen mit dem Rest der Welt.

3 Antworten auf „Überwachungswahn feat. Trägheit“

Für alle, die in der Nähe von Osnabrück wohnen, möchte ich – wenn ich darf ^^ – kurz Werbung machen für die Veranstaltungen im „Rahmenprogramm“ der Innenministerkonferenz 2013, die (sowohl die IMK als auch die Veranstaltungen) befassen sich nämlich zum Teil genau mit diesem Thema!

http://keinfriedenmitderimk.noblogs.org

Da gibt’s just diesen Freitag einen Vortrag über Verschlüsselung von E-Mails, und am Sonntag einen Vortrag zum Thema Überwachung (gehalten von Katharina Nocun), sowie am Donnerstag den 28.11. noch einiges zur Datensammelwut der Polizeibehörden – und noch viel mehr interessantes!

Danke fuer den Artikel! Diese „Argumente“ kenne ich auch zur Genuege. Auch wenn es oft nur kleine Schritte sind, jede kann etwas tun und zu einer besseren Welt beitragen.

Beispiel Smartphone: Da scheint die Situation hoffnungslos zu sein. Aber man kann komplett auf Google verzichten und nur handverlesene Apps installieren. Auch versuche ich ein Cellphone wieder dem Zweck nach der urspruenglichen und eigentlichen Verwendung zu nutzen. Und ich halte das Thema wach, beteilige mich an Projekten etc.

Die meisten Menschen sehen fuer sich im Moment aber (noch) keinen Nachteil im Alltag. Die von Dir hier genannten Beispiele stufen sie als bedauerliche Einzelfaelle ein. In ein paar Jahren, wenn man es nur mehr im Traum wagt an die vergangene Freiheit und Demokratie zu denken, ist es dann leider zu spaet. All dies ist schon einmal geschehen, und all dies geschieht irgendwann wieder; kann ich da nur sagen.

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