„Dann stricke doch mal für uns“ – Frauen* im PHP-Magazin

Cover des PHPmagazins – Ausgabe 04/12

Dieser Twitter-Dialog entstand, nachdem ich das damals aktuelle PHPmagazin entnervt in die Ecke gefeuert hatte, weil in der Ausgabe exakt kein Artikel von einer Fachfrau* geschrieben worden war.

witterdialog mit PHP-Magazin

Twitterdialog mit PHP-Magazin

Die Reaktion des PHPmagazins ärgert mich heute mehr als die Tatsache, dass die Redaktion offensichtlich nur Männern* Expertise und Fachjournalismus zutraut.

Die – ich unterstelle jetzt mal – nett gemeinte Aufforderung à la „Dann mach doch mal!“ bedient sich leider der weit verbreiteten Annahme, dass es eben an den Frauen* liegt: Weil die* ja nicht wollen. Weil die* sich nicht trauen. Weil die* eben so selten sind.

Würden die Frauen mehr „stricken“[1], dann gäbe es keine IT-Magazine mehr mit ausschließlich von männlichen* Autoren geschriebenen Artikeln.

Leider geht diese Rechnung nicht auf, was ich im Folgenden erklären möchte:

Ich frage mich, warum ausgerechnet ich, als Frau*, da gewissermaßen einen Anfang machen soll, wenn es meines Erachtens erst mal die Aufgabe des Magazins wäre, Strukturen zu schaffen, die mir überhaupt erst mal einen Anreiz geben, das zu tun.

Warum sollte ich einen Artikel, eine Meinung or whatever in einen männlich dominierten Pott werfen, wenn die Zeitschrift auf die Nicht- und Unterrepräsentanz nur dann aufmerksam wird, wenn es ihr eine Frau* sagt, dass da irgend etwas schief läuft?

Es ist nicht damit getan, Frauen* punktuell zur Partizipation aufzufordern, weil der Anlass (die Kritik) im Grunde keine andere akzeptable Reaktion ermöglicht, außer vielleicht, die Kritik zu ignorieren. Das wäre auch nicht schön, aber eine „Aussage“.

Die Coder_innen-Szene ist voll mit männer*-dominierten Netzwerken, es ist nur all zu logisch, dass dort verortete Verweissysteme, Mundpropaganda und Vitamin-B bedingen, dass der nächsten Artikel wahrscheinlich wieder von einem Mann* geschrieben wird.

Fachzeitschriften wie das PHPmagazin sollten sich genau das bewusst machen und sich klar darüber werden, dass sie Frauen* aus der IT-Landschaft nur dann dauerhaft für sich und eine Mitarbeit gewinnen, wenn sie klare Signale und Zeichen setzen, dass sie ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis und Awareness im Bezug auf *istische Strukturen etablieren möchten.

So lange halte ich es mit dem „Stricken“ so, wie wenn ich vor Räumen stehe, in denen sich nur Männer* aufhalten: ich gehe nicht hinein. So lange „stricke“ ich auch nicht für euch, lasse mich aber gerne umstimmen, wenn die Bedingungen stimmen.

Screenshot aus Webseiten-Teil des PHPmagazins, geringfügig modifiziert

Screenshot aus Webseiten-Teil des PHPmagazins, geringfügig modifiziert.
Das wäre doch schon einmal ein Anfang :-)

[1] Ich unterstelle, dass der Grund für diese Wortwahl ein damaliges Zitat auf meinem Profil war, in dem ich als Ausdruck für meine Programmiererinnen-Tätigkeit schrieb: „Beruf? Ich stricke Programme …“