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„Bist du ein Mädchen?“. Erlebnisse einer Gamerin.

Gastautorin Martina ist begeisterte Gamerin schreibt sonst auf ihrem eigenen Blog Tintins kleine Kramkiste über alles, was ihr so unter die Finger kommt.

Jenny von „Not in the Kitchen anymore“ wird beim Spielen über XBOX Live regelmäßig aufgrund ihres Geschlechts gedisst. Sie macht Tonmitschnitte und schreibt das ganze auch auf. Von einigermassen lustig über vollkommen idiotisch bis zu übelst bedrohlich ist da eigentlich alles dabei. Vor ein paar Wochen gab es einen besonders schweren Fall, das ganze ist hier nachzulesen und nachzuhören. Diesesmal jedoch hat Jenny es nicht auf sich sitzen lassen, dass nach der Beschwerde beim Support und dem Melden des Users nichts pasierte und hat eine kleine Kampagne gestartet über ihren Blog und Twitter. Mich berührt das Thema sehr, schließlich bin ich begeisterte Gamerin (was für ein Wort) und habe auch öfter mal mit fremden Leuten zu tun.

Die Spiele, die ich online gespielt habe und bei denen ich zwangsweise mit anderen Menschen in Kontakt gekommen bin, sind Age of Conan und Star Wars: The Old Republic.

Age of Conan habe ich größtenteils mit meinem Mitbewohner zusammen gespielt, aber ich war auch alleine unterwegs. Im Gegensatz zu den Spielen, die Jenny spielt, ist Age of Conan ein Rollenspiel, bedeutet, es laufen relativ viele Frauencharaktere in der Welt herum, die durchaus von Männern gespielt werden. Die erste Frage also, die ich bekommen habe, wenn ich irgendwo hin kam, wo mehr Leute waren „Bist du auch in echt ein Mädchen?“

Leider war ich zu diesem Zeitpunkt noch zu naiv, um zu sagen „Spielt das eine Rolle?“ Meistens hab ich „Ja“ gesagt, was dazu führte, dass ich relativ viel Aufmerksamkeit bekommen habe. Und jedesmal, wenn ich Online gegangen bin, hatte ich sofort ein paar private Nachrichten.

Jetzt kann man natürlich sagen „Ist doch super, haste Aufmerksamkeit!“. Ich fand und finde das allerdings gruselig. Es gab auch ein paar, die nicht locker gelassen haben und ziemlich schnell nach einem Foto gefragt haben.

Bei Star Wars war mir das ganze dann eine Lehre. Ich hatte sowieso das Glück, größtenteils in einer Gilde zu spielen mit Leuten, die ich alle mehr oder weniger persönlich kannte. Aber auch hier hab ich ab und an alleine Alderaan, Tatooine und Co. besucht. Auch hier wieder, aufgrund des Rollenspielservers, die gleiche Frage „Bist du ein Mädchen?“.

Auf meine Antwort „Spielt das eine Rolle?“ haben dann zirka 80 Prozent der Menschen aufgehört mit mir zu reden und nur 20 Prozent so etwas gesagt wie „Nein, nein, natürlich nicht.“.

Ich finde, es sollte egal sein, ob mann oder frau spielt. Ich will keine Extras, ich will keine Aufmerksamkeit, nur weil ich eine Frau bin und ich will keine Stalker. Ich will eine gute Zeit und dass es egal ist, wer ich bin.

In einem Gespräch hat ein Freund mal gesagt „Na, die Lösung ist doch ganz einfach, bleib doch einfach in deiner Komfortbubble und spiel‘ nur mit deinen Freunden.“.

Nur, weil ich dem Problem aus dem Weg gehe, heißt das ja nicht, dass es nicht mehr da ist. Und ich möchte mich auch nicht einschränken müssen, nur weil ich damit rechnen muss, dass mich jemand blöd anmacht aufgrund meines Geschlechts!

Und dieses berühmte „Jungs_Männer sind eben so“ und „Die machen es dir eben erst einmal schwer, damit du dich beweisen musst“ ist großer Bullshit. Erstens ist das echt unfair gegenüber den Jungs und Männern im allgemeinen und zweitens glaube ich kaum, dass sie sich untereinander mit (im Extremfall) sexualisierter Gewalt drohen, nur, weil sie männlich sind. Und das ist es ja leider, was vielen Mädchen und Frauen passiert.

Miteinander spielen sollte Spaß machen und nicht schon mit der Überlegung anfangen, ob ich online gehen möchte, weil mich sonst wieder Leute blöd anmachen, weil ich ein Mädchen bin!

Schaut doch auch mal hier vorbei, das ist eine tolle Aktion für einen besseren Umgang der Gamer_innen untereinander!

Und wie Wil Wheaton immer sagt: Don’t be a Dick!

6 Antworten auf „„Bist du ein Mädchen?“. Erlebnisse einer Gamerin.“

Hallo Martina,

ich danke dir für deinen Appell.
Das ist ein Thema was auch mich immer wieder beschäftigt, da gerade als Fan von MMOs eben doch regelmäßig Situationen dieser Art eintreten.

Viele liebe Grüße,
Erbse

Hallo Martina,

auf grund deines beitrages, habe ich mich heut bei meinem freund darüber beschwert wie „schwer“ man es als begeisterte shooterin hat -bin ja selbst eine-.
zu meiner bestürzung, bekam ich als antwort: dann nimm doch einen neutralen namen, wenn du darauf keine lust hast. sein rat an mich ist mich zu verstecken, da ich das problem nicht löse wenn ich mich „oute“. das fazit der anschließenden diskussion war: selbst schuld. wenn du dir einen mädchennamen gibt, musst du damit rechnen beleidigt zu werden…

allerdings hoffe ich doch sehr, das sich dies ändern wird und nicht dein geschlecht, sondern deine „leistung“ wichtig ist.
(glücklicherweise spiele ich mit männlichen wesen denen es egal ist!)

dank für den appell und lieben gruß,
die seefahrerbraut

Ich bin weiblich, spiele online oft einen männlichen Charakter (hat sich wegen Männermangels – die meisten Männer spielten Frauen in der Gruppe – mal so ergeben), und
gehe ganz aggressiv damit um, indem ich es in mein Profil schreibe: „Ich bin im RL weiblich/hetero und spiele einen Charakter, der männlich/hetero ist. Wenn du ein Problem damit hast, ist das dein Problem, nicht meines“.
Ich bin noch nie angemacht worden deswegen, vielleicht gerade WEIL ich so sehr damit nach vorne gehe.
Ein paar Männer hatten allerdings mein Profil nicht gelesen, und als sie zum ersten Mal meine Stimme hörten, waren sie geschockt und etwas beschämt, weil sie mich wie einen anderen Mann behandelt hatten. Sie waren der Meinung, sie hätten höflicher und rücksichtsvoller sein müssen. Aber auch das ist eine Form von Sexismus. Können wir uns also bitte alle gegenseitig als vollwertige Menschen behandeln?

Hallo zusammen!

Zu diesem Thema möchte ich gerne ein paar Anmerkungen beisteuern.
Mein Backround ist der, daß ich zocke seit ich denken kann und später auf LAN Partys gegangen bin wegen der Kerle (mjam). Heute belasse ich es bei dem ein oder anderen PS3 Spiel, SWTOR und echtem! Rollenspiel via Ultima Online.
Derzeit freue ich mich total auf die Erscheinungstermine von Elders Scrolls Online und GTA 5.
(Soviel zum glaubwürdigen, hochkarätigen Mumu-Vergleich, der mich in der Riege der Zockerinnen bestätigt. Irgendwie muss sowas ja immer am Anfang von Frauenschreiben stehen – das oder eine Beteuerung)

Der Artikel verwundert und erschrickt mich ganz besonders bezüglich seiner Aktualität.
Den beschriebenen Umgang kenne ich persönlich zwar durchaus, allerdings nur im rein positiven Sinne (also Vorteile und Hilfestellungen) und, vorallem, nur aus früheren Zeiten (vor 5 – 10 Jahren).

Ganz im Gegenteil, ich finde die Zeiten haben sich geändert: heute kann man sich als Spielerin nichts mehr von seinem Geschlechterdasein kaufen.
Es sind inzwischen einfach zuviele Zockerinnen unterwegs, als daß ich noch etwas besonderes wäre.
Wenn ich bei SWTOR ins TS komme, sitzen da schon drei Mädels und unterhalten sich. Ich habe inzwischen schon 5 Charaktere auf 55 hochgelevelt und mir wurde die Mädchen-Frage noch nicht ein einziges Mal gestellt.
Aber anscheinend bin ich da eine Ausnahme, denn sonst wäre dieser Appell nicht entstanden. Und das beunruhigt mich doch sehr.
Jede, die im negativen Sinne angegangen wird in Spielen aufgrund ihres Geschlechtes, die hat meine vollste Unterstüzung und der Rufe ich zu: Nicht unterkriegen lassen, der Endboss gehört uns!

Allerdings frage ich mich, ob es wirklich so einfach ist, wie in dem Artikel beschrieben.
In meinem Spieleleben habe ich einfach zuviel verschiedenes erlebt, als daß ich diesen Text so unterschreiben könnte.

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